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Massenstrebern der Fische in der Oder
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Deutschland

Massensterben in der Oder: Die große Wut am Fluss der toten Fische

Das mysteriöse Massensterben in der Oder verwüstete auch den einzigen Auen-Nationalpark Deutschlands. Ein Besuch bei den Menschen, die vom Fluss leben – und trotz der verheerenden Katastrophe nicht alle Hoffnung aufgegeben haben.

Wenn in Criewen die Sonne aufgeht, die Schwalben über blühende Sommerwiesen fliegen, Mäusebussarde am blauen Himmel kreisen und Reiher sich in alten Baumkronen niederlassen, dann ist es für einen Moment so, als wäre nichts passiert. Als hätte nur wenige hundert Meter vom Rand des ehemaligen Fischerdorfs in Brandenburg, die unberührten Auen hinunter nicht eine Katastrophe stattgefunden, wie sie Deutschland und auch Europa wohl seit sehr vielen Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat.

„Das ist es“, sagt Milena Kreiling. „Riechen Sie das?“ Die 31-Jährige steuert den dunkelblauen Van der Naturwache des Nationalparks Unteres Odertal über einen schmalen Weg durch hohes Gras. Ein Kormoran schreckt von einem Ast auf

Durch das Autofenster dringt eine Brise, leicht salzig, leicht faul. Es ist der Geruch des Todes, der vom nahen Wasser der Oder herüberweht.

Als Kreiling vor drei Jahren im Osten Deutschlands an der Grenze zu Polen eine Stelle als Ranger annahm, dachte sie, in einem Paradies gelandet zu sein. Eine Auenlandschaft, wie es sie in Deutschland sonst nicht mehr gibt. Biber, Fischadler, Wölfe, ein Elch, sogar drei der seltenen Wisente – ein europäischer Bison, der fast ausgestorben ist – wurden hier gesichtet. Es war ein Stück Erde, das dem geschäftigen Lauf der Menschenwelt abgetrotzt wurde. Frei von Traktoren, Lagerfeuern, Industrieanlagen, dem Beton der Straßen und Parkplätze, die sich durch das ganze Land ziehen. Rund 5000 Hektar, ein Refugium, in dem Pflanzen und Tiere an vielen Stellen für lange Zeit sich selbst überlassen werden sollten.