Videos werden kürzer, Inhalte individueller. Über den Wandel der Video-Plattformen und wie sie von der Gen Z genutzt werden.
Wurden Videos vor noch einem Jahrzehnt von einem Großteil der Jugend nur rezipiert, so produzieren heute 85 Prozent unter ihnen selbst Bewegtbild-Content. Das besagt ein Report, basierend auf Daten von YouTube und dem Marktforschungsinstitut Ipsos. Während also junge Menschen selbst Content erstellen, werden die von ihnen rezipierten Inhalte stetig individueller. Dem liegen maßgeschneiderte Plattformempfehlungen zugrunde, die dem eigenen Nutzungsverhalten entsprechen.
Die Hälfte aller Gen-Z-ler geben an, Inhalte zu konsumieren, die in ihrem persönlichen Umfeld niemanden sonst interessieren. Online wird sich dafür mit anderen Nutzerinnen und Nutzern rege ausgeschaut, etwa unter Analyse-Videos zu Serien und Filme, die man kürzlich gesehen hat. Die Community ist es auch, die die Online-Nutzung zum maßgeblichen Teil beeinflusst. Sie definieren sich als aktiv an einer gemeinsamen Identität oder einem Interesse beteiligt. Auf YouTube findet man, wie auch auf dem Videoschnipselportal TikTok, Gemeinschaften jeglicher Art. Da gibt es jene, die Uhren sammeln, Parfums rezensieren oder Choreografien lernen.
Vom Begleitsymptom zum Kernelement
Am stärksten sind Communitys, wenn sie sich als Fangemeinschaften identifizieren, also für die gleiche Sache brennen. Mehr als sechzig Prozent der Gen Z gibt an, selbst großer Fan von etwas oder jemandem zu sein. Was früher ein Begleitsymptom der Kultur war, ist mittlerweile ein Kernelement dieser. Mitenstanden: der professionelle Fan. Er, oder sie, bereitet Themen rund um die favorisierte Serie oder eine Person etwa, auf oder nach. Recherchiert, erklärt, kommentiert für andere Fans.
Dabei nutzt die Generation Z Kurzvideo-Portale, TikTok eben, um Phänomene zu entdecken, worüber sie sich dann anderswo, durch längeren Content, genauer informieren. Knapp sechzig Prozent würden das tun. Das widerlegt wiederum die These, junge Menschen seien nur etwa acht Sekunden aufnahmefähig. Interessiere sie etwas besonders, schauen sie sich gerne Videos an, die eine halbe Stunde bis zu einer Stunde dauern. Beliebt sind hier insbesondere Video-Essays, die ähnlich des schriftlichen Pendants, bestimmte Argumente zu einem Thema verfolgen.
Auch schaut die Gen Z auf YouTube Videos, die sie in Nostalgie schwelgen lassen. Über achtzig Prozent geben an, explizit nach nostalgischem Content zu suchen. Bis TikTok damit dienen kann, wird es wohl noch ein Weilchen dauern.
(evdin)