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Um 22 Uhr noch Mails checken? Ein Warnsignal, meinen Expertinnen.
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"New Work"

Wenn die Arbeit auf die Psyche schlägt

Heute geht alles schneller als noch vor zwanzig Jahren. So manche Arbeit wird dadurch intensiver und infolge auch belastender. Was es braucht, wenn's zu viel wird.

Endlich im Home-Office, dank der Pandemie. Selbst die verstaubtesten Unternehmen haben so einen Hauch von „New Work“ abbekommen. Flexibler Ort, flexible Zeit, alles remote oder hybrid - vor allem aber autonom. Die Arbeitspsychologie müsste jubeln, war Autonomie ihr zufolge doch lange die wichtigste Ressource am Arbeitsplatz. Nicht nur ist sie ein Grundbedürfnis des Menschen, sie gilt auch als Motor zur Selbstverwirklichung. Wäre da nicht diese enorme Entgrenzung, die mit autonomer Arbeitskultur einhergeht. „Plötzlich geht es um die Frage, wie viel Autonomie ist zu viel“, sagt Christian Korunka vom Institut für Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Wien, gegenüber der „Presse“.

Für die „New Work"-Expertin Lena Marie Glaser ist deswegen jetzt der Zeitpunkt, am Arbeitsplatz genauer hinzuschauen und strukturelle Änderungen vorzunehmen. „Viele Angestellte überlegen sich tatsächlich gerade, ihren Job hinzuschmeißen. Da sind Arbeitgeber gefragt, etwas zu verändern“, erklärt sie. Aus ihrer beratenden Tätigkeit berichtet sie, dass sich auch tatsächlich immer mehr Arbeitgeber für Veränderung bereit erklären. „Branchen, die kein Personal finden, öffnen sich gegenüber neuen Ideen, weil sie einfach gar keine Bewerbungen bekommen.“

Arbeit ist - nicht zuletzt auch wegen neuer Entwicklungen - belastender geworden. Nicht körperlich, sondern psychisch. Neue Kommunikationsmittel haben viele Prozesse beschleunigt. Tatsächlich lässt sich eine Arbeitsintensivierung seit den 1990ern nachzeichnen. Alles geht schneller, die kognitive Belastung steigt und schließlich auch das Vorkommen von Burn-out. „Hier kommt es allerdings schnell zur medialen Übertreibung, nicht jede Arbeitsbelastung ist gleich ein Burn-out“, betont Korunka. Jedenfalls aber habe sich die Gruppe der Betroffenen geändert. Früher galt es insbesondere als Problem von in Sozialberufen tätigen Menschen, jenen, die inbrünstig Hilfe leisten. Meist in schwierigen Umfeldern - bis zum „Ausbrennen“. Heute zeichnet der Begriff das Bild eines meist männlichen Managers, der unter die Räder kommt. Jener, der auf drei Handys um 22.00 Uhr seine Mails checkt. „Der brennt aber nicht aus, der verbrennt langsam, weil er ständig vor sich hinbrennt, immer dranbleibt“, sagt Korunka.