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Ukraine im Überblick

Laut Medienberichten neues Massengrab in der Ostukraine gefunden

Archivbild von einem Soldaten mit russischer Flagge auf seiner Uniform vor dem AKW Saporischschja. Das Atomkraftwerk wird von Russland kontrolliert, aber bisher noch von ukrainischen Technikern betrieben. Nun wird es unter die Aufsicht russischer Behörden gestellt.
Archivbild von einem Soldaten mit russischer Flagge auf seiner Uniform vor dem AKW Saporischschja. Das Atomkraftwerk wird von Russland kontrolliert, aber bisher noch von ukrainischen Technikern betrieben. Nun wird es unter die Aufsicht russischer Behörden gestellt.REUTERS
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In der befreiten Stadt Lyman wurde offenbar ein Grab von mehr als 50 zivilen Personen gefunden. Weiter meldet die Ukraine die Befreiung Dutzender Orte. Putin unterschrieb Gesetz zur Annexion ukrainischer Gebiete und stellt AKW unter russische Aufsicht. EU verabschiedet Sanktionspaket.

Ukraine

  • In der vor kurzem von ukrainischen Truppen befreiten Stadt Lyman sind ukrainischen Medien zufolge Gräber von mehr als 50 Zivilistinnen und Zivilisten gefunden worden. "Die Russen haben Gräben ausgehoben und Personen, die sie der Kollaboration mit dem ukrainischen Militär verdächtigten, gezwungen, die Leichen der Toten für die Umbettung einzusammeln", teilte der ukrainische Internet-Fernsehsender Hromadske am Mittwoch mit. Dazu präsentierte er Fotos der Grabstätte. Lyman war im Mai nach intensiven Kämpfen von moskautreuen Truppen eingenommen und Anfang Oktober nach ebenfalls schweren Gefechten von den Ukrainern zurückerobert worden. Während bei einigen Toten die Namen angegeben sind, stehen auf anderen Gräbern nur Nummern.

Russland

  • Russlands Präsident Wladimir Putin hat das Gesetz zur Annexion von vier ukrainischen Gebieten unterzeichnet, wie die russische Nachrichtenagentur Tass am Mittwoch meldete. Damit ist die Annexion vollzogen. Am Montag hatte die Duma im Eilverfahren die als Völkerrechtsbruch kritisierte Einverleibung ratifiziert, am Dienstag der Föderationsrat. Beide Kammern des Parlaments stimmten einstimmig für die Annexion. Mehr dazu.

  • Die Teilmobilisierung Russlands läuft alles anderes als reibungslos. Nach Ansicht britischer Militärexperten ist Russland nicht mehr in der Lage, ausreichend Ausrüstung und militärisches Training für eine große Zahl an Rekruten bereitzustellen. Ein Anzeichen dafür sei, dass der Einberufungszyklus in diesem Jahr einen Monat später als üblich beginnen solle, hieß es am Dienstag im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums zum Krieg in der Ukraine.

  • Auch in den eigenen Reihen sorgt die Rekrutierung für Spannungen. Videos und Berichte, die freilich nicht immer klar überprüfbar sind, zeigen, wie chaotisch und willkürlich die Mobilmachung abläuft. Zuletzt tauchten auch erneut viele Videos auf, die auf ein größeres Problem mit Alkohol hinweisen. Bereits im Sommer hatte es zahlreiche Berichte gegeben, wonach aus dem Raum Charkiw nach Russland zurückweichende Soldaten oft angetrunken waren, und zwar sogar Fahrer etwa von Lkw, es sind auch Unfälle dokumentiert. Es gibt ferner Videos von trinkenden oder ihren Rausch ausschlafenden Soldaten im frontnahen Bereich, zuletzt etwa in Lyman, und solche, die von russischen Internetplattformen stammen und ziemliche Gelage unter einrückenden Reservisten zeigen. Bei dem unten gezeigten Video aus einem Bus gibt es dabei offenbar einen Verkehrsunfall.
  • Natürlich spielten alkoholische Getränke in vielen Armeen und Kriegen in der ganzen Welt immer eine Rolle, aus vielerlei Gründen. Interessant, und auch nicht ganz grundlos, ist, dass es aus europäischer Sicht eigentlich immer die Russen waren, die das vorrangig betraf und betrifft (Stichwort „Wodka". Man wird fairerweise einräumen müssen, dass auch die Ukrainer jetzt nicht immer nüchtern kämpfen dürften). Siehe hier etwa eine deutsche Propagandapostkarte von 1914:
"Lustige Blätter"/Twitter/Gemeinfrei

 

  • Der despotisch waltende Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramzan Kadyrow, wurde unterdessen am Mittwoch von Putin in den Rang eines Generaloberst erhoben. Das ist hinter Marschall und Armeegeneral der dritthöchste Dienstgrad der russischen Streitkräfte. Der Kreml hatte am Montag den „heldenhaften Beitrag" Kadyrows mit eigenen Soldaten in der Ukraine gelobt. Sie gelten als notorisch brutal, rücksichts- und niveaulos und werden Berichten zufolge auch zur Exekution von russischen Soldaten wegen „Feigheit vor dem Feind" eingesetzt. Kadyrow (46) herrscht seit 2007 mit eiserner Hand und schweren Menschenrechtsverletzungen, Morden an Gegnern und sonst missliebigen Personen, die Rede ist von Folterkellern. Vor Tagen hatte er für Entsetzen gesorgt, als er einen Einsatz taktischer Atomwaffen anriet; zudem sagte er, er werde drei minderjährige Söhne zum Kampf in die Ukraine schicken. Kadyrow hatte zuletzt in seinem eigenen Land den Rang eines Generals inne.

AKW formell unter russischer Aufsicht

  • Russland stellt das AKW Saporischschja am Dnipro unter die Aufsicht russischer Behörden. Präsident Wladimir Putin hat das entsprechende Dekret am Mittwoch in Moskau unterzeichnet.  Rafael Grossi, ein Argentinier, spricht sich für eine Sicherheitszone um das AKW aus. Es wird von Russland kontrolliert, aber noch von ukrainischen Technikern betrieben und liegt in der gleichnamigen Region Saporischschja, die zu den vier Gebieten gehört, die Russland annektiert hat.
  • Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, wird am Donnerstag zu Gesprächen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew erwartet. "Der Bedarf für eine nukleare Sicherheitszone um das Atomkraftwerk Saporischschja ist dringender denn je", schrieb Grossi am Mittwochabend auf Twitter. Erwartet werden Gespräche mit Präsident Wolodymyr Selenskyj, Energieminister Herman Haluschtschenko und dem Chef des ukrainischen AKW-Betreibers Energoatom, Petro Kotin.

Militärische Lage

  • Bei dem Vormarsch der ukrainischen Armee sind nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskij in den vergangenen Tagen Dutzende Ortschaften aus russischer Besatzung befreit worden. "Die ukrainische Armee dringt ziemlich schnell und kraftvoll vor bei der gegenwärtigen Verteidigungsoperation im Süden unseres Landes“, sagte er in einer am Dienstagabend verbreiteten Videobotschaft. Es seien Ortschaften in den Gebieten Cherson, Charkiw, Luhansk und Donezk wieder unter ukrainische Kontrolle gebracht worden. Im Falle von Luhansk ist das speziell bedeutsam, weil diese Oblast die einzige dieser vier Regionen ist, die die Russen zuvor vollständig erobert hatten.

    Schwere ukrainische Artillerie (203-Millimeter-Feldkanone Modell 2S7 Pion) im Gefecht bei Cherson.Twitter

    Insbesondere im Gebiet Cherson im Süden am Unterlauf des Dnipro seien Ortschaften befreit worden. Die ukrainischen Streitkräfte sprachen am Abend von insgesamt acht Siedlungen. "Unsere Soldaten stoppen nicht", so Selenskij. Glaubt man den verfügbaren Landkarten auch westlicher Militärs, sind dabei die Ukrainer am 1. und 2. Oktober an einer rund 35 Kilometer langen Front am Westufer des dortigen Dnipro-Stausees und südlich der Stadt Krywyj Rih angetreten und haben sie bis 5. Oktober um etwa 40 km nach Süden vorgeschoben und auf gleichfalls etwa 40 km Breite erweitert. Das Gebiet ist agrarisch und flach, ganz grob gerechnet beträgt der mutmaßlich gewonnene Raum dort um die 1500 Quadratkilometer bzw. etwa das 3,5-Fache des Bundeslandes Wien. Vor allem aber stehen die Vorhuten mittlerweile nur etwa 30 bis 40 km nördlich des Stauwerks Nowa Kachowka; der dortige Flußübergang wurde von ukrainischer Raketenartillerie vor Wochen schwer beschädigt und angeblich zumindest für große Fahrzeuge unpassierbar. Fällt er an die Ukrainer, würde auch das letzte russische Tröpfeln an Verkehr bzw. Nachschub über diese Passage enden und die Lage der Russen westlich des Flusses weiter erschwert.

  • Auch die britischen Geheimdienste bestätigen Geländegewinne des ukrainischen Militärs. Die ukrainische Armee mache sowohl an der Nordost- als auch an der Südfront weitere Fortschritte, heißt es im täglichen Bericht des britischen Verteidigungsministeriums.

  • Nach den jüngsten Geländegewinnen ukrainischer Soldaten in der Region Cherson bereiten sich die dortigen russischen Soldaten einem Medienbericht zufolge auf einen Gegenangriff vor. Die russischen Truppen würden sich dazu derzeit neu aufstellen, "um ihre Kräfte zu sammeln und einen Vergeltungsschlag auszuführen", zitiert die Nachrichtenagentur RIA den von Russland eingesetzten Vertreter Kirill Stremusow.

  • Zuvor bestätigte Russland manche Gebietsverluste im Süden indirekt. Die in der täglichen Militärbesprechung des Verteidigungsministeriums gezeigten Karten zeigen, dass die russischen Streitkräfte nicht mehr die Kontrolle über das Dorf Dudschany am Westufer des Dnjepr haben. In der nordöstlichen Region Charkiw zeigten Karten, dass die russischen Streitkräfte ihre Stellungen am Westufer des Flusses Oskil verlassen haben.


Diplomatische Beziehungen / Sanktionen / Hilfen

  • Die EU-Staaten bringen ein weiteres Sanktionspaket gegen Russland auf den Weg. Unter anderem sollen die rechtlichen Voraussetzungen für einen von den G7-Staaten unterstützten Preisdeckel für Ölimporte aus Russland gebilligt worden sein.

  • Die US-Regierung hat weitere Waffenlieferungen für die Ukraine im Wert von 625 Millionen US-Dollar angekündigt. Das Paket beinhalte unter anderem weitere Mehrfachraketenwerfer von Typ Himars, Munition und gepanzerte Fahrzeuge, wie das Weiße Haus mitteilte. Damit erhöhe sich die militärische Unterstützung der USA für die Ukraine seit Beginn der Amtszeit von US-Präsident Joe Biden auf einen Gegenwert von insgesamt 17,5 Milliarden Dollar. In einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij sagte Biden, dass die USA die völkerrechtswidrige Annexion von Teilen der Ostukraine durch Russland niemals anerkennen werden.

  • In der Ukraine sind Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verboten worden. Ein entsprechendes Dekret des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskij wurde am Dienstag auf dessen Webseite veröffentlicht. Dem ging eine Entscheidung des Rates für Sicherheit und Verteidigung voraus. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte vor Journalisten, dass die "spezielle Militäroperation" nicht enden werde, wenn die Ukraine Gespräche ausschließe. Für Verhandlungen seien zwei Seiten nötig.

(Red./APA/Reuters/dpa)