Das Hotel von Wahlsieger Ouattara ist von Truppen umstellt worden. Präsident Gbagbo erkennt seine Niederlage nicht an.
In der westafrikanischen Republik Elfenbeinküste (Côte d'Ivoire) spitzt sich der Konflikt zwischen dem bisherigen Präsidenten Laurent Gbagbo und dem von der internationalen Gemeinschaft anerkannten Wahlsieger Alassane Ouattara weiter zu. Gbagbos Oberbefehl gehorchende Truppen umstellten am Montag in der größten Stadt Abidjan das Hotel, in dem Ouattara sein Hauptquartier hat. Vor dem Gebäude stünden auch Lastwagen mit aufmontierten Maschinengewehren. Angaben über Zusammenstöße hätten sich nicht bestätigen lassen, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Montagabend.
Gbagbo will den von der unabhängigen Wahlkommission verkündeten Sieg seines Herausforderers in der Präsidenten-Stichwahl nicht anerkennen. Vor acht Tagen hatten sich sowohl Gbagbo als auch Ouattara als Staatsoberhaupt auf die Verfassung vereidigen lassen. Ouattara hatte die Wahl nach Angaben der Wahlkommission mit 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen. Der Verfassungsrat, der das Wahlergebnis kundzumachen hat und dessen Vorsitzender ein Gefolgsmann Gbagbos ist, rief jedoch den bisherigen Amtsinhaber zum Wahlsieger aus. Rund eine halbe Million Stimmen könnten nicht in das amtliche Resultat einfließen, da in den Hochburgen Ouattaras im Norden Anhänger von Gbagbo an der Stimmabgabe gehindert worden seien, erklärte der Verfassungsrat.
Die Afrikanische Union (AU) und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS setzten die Mitgliedschaft der Elfenbeinküste aus. Der UNO-Sicherheitsrat hatte eine Resolution verabschiedet, in der er Ouattara als Wahlsieger anerkennt. Die Europäische Union verhängt Sanktionen gegen das Land; darauf verständigten sich die EU-Außenminister am Montag in Brüssel. Geplant sind demnach Einreisebeschränkungen für Gbagbo und dessen Gefolgsleute. Zudem soll ihr Vermögen in der EU eingefroren werden.
(Ag.)