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Makeln de luxe: Los Angeles versus Wien

(c) Getty Images (courtneyk)
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„Selling Sunset“. Die neue Staffel der US-Serie bringt frische Villen und Dramen. Was hierzulande undenkbar wäre und was nicht.

Drama, Baby: Bis das erste Luxusobjekt über den Bildschirm flimmert, muss man diverse Zickenkriege, künstliche Befruchtungen, Beziehungsdramen und die Frage, wie man tagtäglich derartig perfekt gestylt ins Büro kommen kann, auf sich einrieseln lassen. Bei „Selling Sunset“ werden auch Luxusanwesen – gern im zweistelligen Millionenbereich, oder „two digits“, wie die Maklerinnen es nennen – verkauft. Im Mittelpunkt stehen sie freilich nicht, und es darf vermutet werden, dass die überwiegende Mehrheit der Millionen Zuschauer nicht unbedingt aus Interesse an Immobilien einschaltet. Zumal diese zwar alle bombastisch, aber auch recht ähnlich aussehen: viel Glas, viel Beton, Pool, Feuerstelle und große Ausblicke hinter durchsichtigen Geländern.

Glamour und Drama

Die Einschaltquoten garantieren vielmehr die Maklerinnen der Brokerage The Oppenheim Group, die teils im früheren Leben Playmates oder Schauspielerinnen waren. In beeindruckenden High Heels, Designer-Kleidung vom Teuersten und teils Ausgefallensten, mit stets perfekten Nägeln, Haaren und aufwendigem Make-up kümmern sie sich um ihre Klientel. Mit Bussi-Bussi, bösen Kommentaren und vielen Tränen.
Denn „Selling Sunset“ läuft zwar formal in der Kategorie Reality-TV, dass hier alles echt ist, wird aber wohl niemand ernsthaft annehmen. Wobei nicht alles, was auf den österreichischen Zuseher seltsam wirkt, fake ist, wie heimische Maklerinnen verraten. Manche Dinge seien einfach dem grundsätzlich anderen US-Immobiliengeschäft geschuldet. „Da es in den USA kein Doppel-Makler-System wie bei uns gibt, sind die Maklerinnen viel mehr aufeinander angewiesen und müssen zusammenarbeiten“, erklärt Elisabeth Rohr, Inhaberin von Rohr Real Estate und im österreichischen Verband der Immobilien-Industrie (ÖVI) als Vizepräsidentin für die internationale Zusammenarbeit zuständig.
Denn dort gibt es getrennte Makler für den Verkäufer (den Listing-Agent) und Käufer (Buyer's Agent), die jeweils nur die Interessen ihres jeweiligen Kunden vertreten (sollten). Was natürlich ein heikles Thema ist, wenn die Agents nicht oder zu gut miteinander können. Abgesehen von diesen harten Fakten sind aber auch die Gepflogenheiten in Österreich andere als in den USA: „Hier wird es nicht so geschätzt, wenn jemand zu stark auf den Putz haut“, bringt es Irene Rief-Hauser, Inhaberin von Feine Immobilien, auf den Punkt. Mit welchem Auto man vorfahre, sei hierzulande etwa deutlich weniger wichtig als in den USA. Entsprechend ist es eher nicht der Lamborghini, selbst wenn man es sich leisten könnte, und man setzt auch sonst auf Understatement, wie Rohr bestätigt. „Das ist eine eiserne Regel – und wenn meine Handtasche teurer ist als die meiner Kundin, ist das keine gute Idee.“ Denn damit werden ähnliche Assoziationen geweckt wie mit zu feudalen Bank-Foyers oder Versicherungspalästen und es könnte die Frage auftauchen, ob man diese mit zu hohen Gebühren oder Prämien mitfinanziert.

Auf Augenhöhe

Absolut wichtig sei dagegen, dass man gepflegt auftritt und auf Augenhöhe kommuniziere, sind sich die Maklerinnen einig. Was durchaus Spielraum zulässt, der aber nicht so groß ist wie bei den Damen in Tinseltown, wie Los Angeles auch genannt wird. „Vielleicht kann man es sich mit Mitte 20 leisten, so aufzutreten wie manche in ,Selling Sunset‘, aber als gestandene Maklerin sexy sein zu wollen ist meiner Meinung nach eine Themenverfehlung“, meint Rohr. Zumal die Kaufentscheidungen für Immobilien häufig von Frauen getroffen werden. „Außerdem muss man auf einer ordentlichen Baustelle in Österreich einen Helm und festes Schuhwerk tragen“, fügt Rief-Hauser hinzu. „Entsprechend weist man Kunden vor einer Baustellenbesichtigung darauf hin, in angemessener Kleidung zu erscheinen. Denn es wäre nicht angenehm, wenn sie sich später die Schuhe oder edlen Hosenbeine im Staub ruinierten.“ (SMA)

„Selling Sunset“

Die Netflix-Reality-Show um eine Maklerfirma in Los Angeles, die Multi-Millionen-Objekte in den besten Lagen der Stadt verkauft, gehört zu den erfolgreichsten Formaten des Streaming-Dienstes. Und sie zeigt neben offensichtlichen Unterschieden zu Luxusmaklern in Österreich, die vor allem das Outfit betreffen, auch die Unterschiede der beiden Makler-Systeme in Österreich und den USA und deren üblichen Gepflogenheiten.