Schlechte PISA-Resultate, schlechte Uni-Rankings: Wer ist schuld?

Problemzonen wie Studentenschwemmen und Unterfinanzierung sind der Regierung, nicht aber den Uni-Leitungen anzulasten.

Mit Federn, Haut und Haar

Aus und geschehen ist es mit uns! Wie die jüngsten PISA-Ergebnisse zeigen, können die österreichischen Kinder nicht mal richtig lesen. Und unsere Unis dümpeln in den internationalen Rankings irgendwo um Platz200 herum. Medien und Öffentlichkeit stürzen sich genüsslich auf diese negativen Befunde, aber wie sinnvoll sind diese Rankings eigentlich? Eine sehr berechtigte Frage, denn bei diesen handelt es sich auch um „Prestigotainment“. Und eine ganze Rankingindustrie lebt davon. Nicht immer mit uneigennützigen Motiven, wie die Rolle der einschlägigen Agenturen in der letzten Finanzkrise zeigte.

Es ist für Menschen offenbar höchst wichtig zu wissen, wer der „Beste“ ist, was immer das auch bedeuten mag. Dieses „Brot-und-Spiele-Prinzip“ aus dem Sport breitet sich zügig über weitere Lebensbereiche aus. Wir küren die „Österreicher des Jahres“, den beliebtesten Beislwirt, Sänger, Schauspieler, Pfarrer und was weiß ich was noch alles. Und Nobelpreisträger verehren wir wie Heilige.

Zur berufenen Kritik an PISA mag ich hier nicht beitragen, zu den Uni-Rankings aber schon. Ohne den Eindruck erwecken zu wollen, dass diese völlig belanglos wären. Sie sollten sehr wohl Anlass zur Sorge sein. So liegen dem Ranking des britischen Magazins „Times Higher Education“ (es gibt immer mehr Konkurrenzunternehmen) anerkannte Benchmarks aus Lehre und Forschung zugrunde. Dass dabei die Uni Wien auf Platz195 zu liegen kam (Herbst 2010), mag schmerzen, aber was bedeutet das eigentlich?

Schließlich unterscheiden sich Studienrichtungen, Institute und Arbeitsgruppen stark in ihrer Qualität. Manche Fächer sind von Studierenden derart überschwemmt, dass dort gute Lehre oder Forschung kaum stattfinden kann. Dafür sind die Regierenden verantwortlich, die es nicht schaffen, mit angemessenen gesetzlichen Rahmenbedingungen den Unis die Werkzeuge zur Lösung der Krise in die Hand zu geben.

Dennoch existieren auch viele Nischen der Qualität. So etwa wurde an der Uni Wien vom FWF gerade eben ein Doktoratskolleg im Bereich Verhaltens- und Kognitionsbiologie bewilligt. Dieses Kolleg finanziert über die kommenden zwölf (!) Jahre die Dissertanten einer Kerngruppe von fünf wissenschaftlich hochkompetenten Betreuern. Damit wird sich das Kolleg zu einem international hochvernetzten „Hotspot“ der Forschung und Lehre entwickeln. Übrigens gibt es nun acht solcher Kollegs an der Uni Wien. Passt irgendwie schlecht zum Platz195 im Ranking, nicht?

Dieser Erfolg fiel nicht vom Himmel. Er beruht auf einer mutigen Schwerpunktinvestition der Universität Wien, die unlängst im Bereich Kognitionsbiologie zwei neue Professuren einrichtete (T.Bugnyar, T.Fitch). Was wiederum nur auf Basis der langen, soliden Vorarbeit von Assistenzprofessoren, wie L.Huber und W.Hödl, möglich war. Die autonome Uni fördert endlich ihre autochthonen Stärken, und das macht sich eben bezahlt.

Diese Erfolge stehen im scharfen Gegensatz zum Versagen der Regierung in der Bildungspolitik. Denn Problemzonen wie Studentenschwemmen und unverantwortliche Unterfinanzierung sind der Regierung, nicht aber den Universitätsleitungen anzulasten. Und für die mäßigen PISA- und Uni-Rankings sind nicht die Lehrer oder das Uni-Personal verantwortlich, sondern eine unglaublich reformsäumige Politik.

Kurt Kotrschal ist Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.12.2010)