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Serie: Gefühlssache

Social Media Quitting, ein heilsamer Trend?

Es poppt eine Meldung auf, was man gerade noch machen wollte, ist vergessen. Soziale Medien führen nachweislich zu Stress und geringerer Konzentrationsfähigkeit. Screens können aber auch zur Entspannung beitragen.

Zwei Schauspieler, Tom Holland und Jonah Hill, vermeldeten kürzlich ihre Abstinenz von Instagram, ein dritter, der bis dato sehr aktive Lars Eidinger, tat es ihnen gleich. Und auch Sängerin Madison Beer, zieht wohl eine Pause in Betracht, so hörte man es kürzlich in einem Radio-Interview. Social Media Quitting scheint ein Hoch zu erleben. Begründet wird es mit Schlagworten wie Mental Health, also geistige Gesundheit, und Toxizität (jene wird den Plattformen zugeschrieben). Studien um Studien geben den Prominenten recht. Da heißt es, soziale Medien würden zu Angstgefühlen und Depressionen führen, oft ist die Rede von einer Hassliebe. Eine im Mai publizierte Untersuchung von der University of Bath zeigt, dass schon eine einwöchige Pause von sozialen Netzwerken das Wohlbefinden verbessert.

Indessen entwickeln sich neue Krankheitsbilder, jene, die Namen sozialer Netzwerke tragen: Facebook-Depression, also das Auftreten eines schlechten Gefühls direkt nach der Nutzung diverser Netzwerke, primär, weil man sich mit anderen vergleicht, und die sogenannte Snapchat-Dysmorphophobie, die Angst davor, ohne Filter entstellt zu sein. Von letzterer seien vor allem junge Frauen vermehrt betroffen, weiß Daniela Otto, Literaturwissenschafterin und Digital-Detox-Expertin. Zugrunde liege eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers, bemerkbar mache sich die Störung etwa durch den Anstieg von Schönheitsoperationen.

Priorität Smartphone

Einige Freizeitaktivitäten hingegen würden laut diverser Studien abflauen, etwa der Konsum von Alkohol und Zigaretten, ja selbst weniger Sex hätte man heute. Einzig gestiegen, neben Beauty-OPs: der Social-Media-Konsum. „Das zeigt die Verdrängung des ,echten Lebens' durch Social Media“, sagt Otto gegenüber der „Presse“. Das Bewusstsein dafür, dass es sich hierbei um eine ernste Suchterkrankung handle, sei kaum noch da. Die Sucht würde bagatellisiert, so liest man in Ottos Buch „Digital Detox für die Seele“. „Jedes Like, jedes Match, ja fast jede Nachricht sorgt für einen Mini-Ego-Boost und setzt im Gehirn Dopamin frei“, erklärt die Expertin. Schließlich erntet man dadurch Aufmerksamkeit. Das Problem dabei, die Dosis muss gesteigert werden, um immer wieder den gleichen Effekt zu erzielen. „Letztendlich gleicht das einer Spielsucht.“

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