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Interview

Matthias C. Kettemann: „Das Internet wird erwachsen“

In Alpbach spricht Matthias C. Kettemann heute, Samstag, bei der Diskussionsveranstaltung „Battleground Internet“ über die Schattenseiten des Netzes.
In Alpbach spricht Matthias C. Kettemann heute, Samstag, bei der Diskussionsveranstaltung „Battleground Internet“ über die Schattenseiten des Netzes.Elisabeth Mandl
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Matthias C. Kettemann von der Uni Innsbruck über Plattformen und EU-Gesetze.

Die Presse: Die Idee des freien Internets blieb Utopie. Wie problematisch ist das „Plattformeninternet“ aus rechtlicher Sicht?

Matthias C. Kettemann: Wir befinden uns in einer Welt, in der große Teile des gesellschaftsrelevanten Diskurses auf Plattformen stattfindet, in deren privaten Rechtsräumen. Hier wird diskutiert, kommuniziert, hier werden Meinungen gebildet. Diese Prozesse verliefen sehr lang in der Öffentlichkeit. Das ist sehr vielen Menschen nicht präsent. Ein Beispiel: Wer für eine vegetarische Lebensweise eintritt, darf im öffentlichen Raum eine Demonstration anmelden, da wird ihn niemand wirklich daran hindern können. Aber im Supermarkt vor der Fleischtheke wird das nicht möglich sein, die Hausinhaber werden ihn wohl schnell rausschmeißen. Das ist die Situation, die wir seit ein paar Jahren im Internet haben.


Aber ich kann trotzdem noch auf dem Hauptplatz demonstrieren.

Natürlich, man darf das nicht überschätzen. Es gibt immer noch parallel laufende Offlineprozesse. Auch die Politik ist nicht zwangsläufig von dem getrieben, was im Internet passiert. Aber es gibt merkbare Einflüsse, Änderungen im Diskurs, die von den verschiedenen Wissenschaften lang nicht ausreichend nachvollzogen wurden. Das hat sich zum Glück verändert. Tatsache ist, dass die Plattformen private Akteure sind, die Regeln setzen, sie durchsetzen und die Aufmerksamkeitsströme lenken – zum Teil mit entsprechend ernsthaften Folgen für die Ausbildung des eigenen Selbstverständnisses und dann auch in weiterer Folge für demokratische Meinungsbildung und Entscheidung.


Was sind die großen Herausforderungen?