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Unterwegs

Mit der Bahn durch Deutschland?

Diesen Sommer war das mehr oder weniger zum Vergessen.

Es gibt diesen Satz, mit dem der deutsche Bundeskanzler bewiesen hat, dass er wohl eher nur so tut, als würde er regelmäßig Bahn fahren. Das Neun-Euro-Ticket sei „eine der besten Ideen, die wir je hatten“, sagte Olaf Scholz. Nach einer Reise mit der Deutschen Bahn möchte man nicht wissen, wie seine anderen Ideen aussehen.

Klar, es war nicht nur das Neun-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, das diesen Sommer zur Tortur für die Bahnfahrer machte. Für ausfallende Züge, unfreundliches Personal und fehlende Entschädigung ist die Deutsche Bahn auch so zu haben.

Mein jüngstes Beispiel: Wien–Berlin, erste Klasse, weil ja schon klar ist, dass es holprig wird, gebucht über Prag und mit der DB. In Tschechien ging der Zug ein, mehrere Hundert Menschen sollten sich in einen Mini-Regionalzug zum nächsten Provinzbahnhof zwängen, rund hundert blieben auf dem Bahnsteig zurück. In ihren Blicken: die pure Verzweiflung.

Wie es dann nach Berlin weitergeht? Wann? Womit? Das konnte der Mitarbeiter der Deutschen Bahn nicht sagen. Er würde aber nicht verstehen, warum jemand sein Geld zurückhaben wollte. Schließlich fahre ja irgendein Zug irgendwann einmal.

Wer die Deutsche Bahn kennt, weiß: Das Risiko einzugehen, zu später Stunde auf einen Zug zu hoffen, lohnt sich nicht. Also buchte, wer schnell genug war, den nächsten Fernbus. Der war auf die Minute pünktlich. Wer auf die Bahn gesetzt hatte, bummelte Stunden herum. Nein, das Neun-Euro-Ticket ist kein voller Erfolg. Die Bahn braucht keine Kunden, sondern einen Plan. Und ein neues Management.

christoph.zotter@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2022)