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Mein Montag

Welche Hofburg hätten Sie denn gern?

"Hofburgwahl": Eigentlich ist nicht das Volk aufgerufen, sich für eine von mehreren Hofburgen zu entscheiden.
"Hofburgwahl": Eigentlich ist nicht das Volk aufgerufen, sich für eine von mehreren Hofburgen zu entscheiden.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Über Sinn und Unsinn, die Bundespräsidentenwahl als Hofburgwahl zu bezeichnen.

Vermutlich sind die Journalisten schuld. Es ist aber auch wirklich nicht so einfach, lange Wörter wie Bundespräsidentenwahl in eine Überschrift zu packen. Abkürzungen können zwar manchmal Abhilfe schaffen, doch bei BP-Wahl bleibt die Verwechslungsgefahr mit der Entscheidung für einen britischen Ölkonzern. Und UHBP-Wahl ist erstens mühsam zu lesen, zweitens verbirgt sich dahinter eine ironische Abkürzung, die in Zeiten der Präsidentschaft von Kurt Waldheim aufkam – wenn sie sich auch seither der Ironie ein wenig entledigt und Aufnahme in die Alltagssprache gefunden hat. (Wobei, UHBP VdB hört man nach wie vor nur sehr selten.) Also ist derzeit eben viel von der Hofburgwahl zu lesen. Aber seien wir uns ehrlich, besonders elegant ist das auch nicht. Denn immerhin ist nicht das Volk aufgerufen, sich für eine von mehreren Hofburgen zu entscheiden. Und umgekehrt wählt ja auch nicht – analog zur Damenwahl – die Hofburg selbst, wer die nächsten Jahre in ihr seinen Amtssitz einnimmt. In Deutschland ist schließlich auch nicht die Rede von einer Schloss-Bellevue-Wahl, wenn es um die Wahl des Bundespräsidenten geht. Und die Weißhauswahl in den USA wirft in den Suchmaschinen auch nicht allzu viele Treffer mit „white house election“ aus.

Wenn wir jetzt ein bisschen beckmesserisch sind: Solang der Nationalrat wegen des Umbaus des Parlamentsgebäudes in der Hofburg tagt, wäre nach dieser Logik eine Nationalratswahl eigentlich nicht auch eine Hofburgwahl? (Und wie ist das bei Landtagswahlen, bei denen auch Mandate für den Bundesrat vergeben werden?) Und angenommen, der Bundespräsident müsste seinen Amtssitz, etwa wegen eines Hofburgbrands, in ein ansehnliches Gebäude nach Hietzing verlegen, wäre das dann eine Schloss-Schönbrunn-Wahl? Wobei, das geht sich in der Überschrift ja auch wieder nicht aus . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com