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Krise

Rapid sucht die Ruhe im Orkan

FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA/ GRUNDDURCHGANG: SK RAPID WIEN - SK PUNTIGAMER STURM GRAZ
APA/EXPA/THOMAS HAUMER
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Der scheidende Präsident, Martin Bruckner, sieht Rapid auf dem völlig falschen Weg. Der Strukturbedarf innerhalb des Vereins sei enorm, die Ultras spielen eine zu gewichtige Rolle.

Irgendwie passte sie ins Bild, diese 1:2-Niederlage Rapids gegen Sturm Graz am Sonntagnachmittag. Nach dem blamablen Europacup-Aus gegen den Zweitligisten Vaduz glückte den Hütteldorfern auch drei Tage später kein Erfolgserlebnis, das allen Beteiligten in der momentanen Situation so dermaßen gutgetan hätte. „Wir sind in einem sehr tiefen Tal“, meinte Trainer Ferdinand Feldhofer, dem von Sportdirektor Zoran Barišić der Rücken gestärkt wurde.

Rapids jüngste Bilanz ist verheerend: Von den vergangenen vier Spielen verlor Rapid drei, in Vaduz spielte man unentschieden. Also muss man sich im Westen Wiens an Strohhalme klammern. Speziell die erste Hälfte gegen Sturm stimmte Feldhofer zuversichtlich, dass bald wieder bessere Zeiten anbrechen könnten.

Als Nächstes stehen am Donnerstag die Cup-Auswärtspartie gegen Allerheiligen und am Sonntag das Liga-Gastspiel bei Altach auf dem Programm. Zwei Pflichtsiege? Das sollte man meinen, aber Rapid ist nicht in der Situation, irgendetwas als selbstverständlich anzunehmen. „Seit ich da bin, hatte ich nur Druck und Entscheidungsspiele. Deswegen denke ich, kann ich ganz gut damit umgehen.“

Zu viele Strömungen

Was Rapid nun am meisten brauchte, ist Ruhe. Und die Sachlichkeit, richtige Entscheidungen zum Wohle des Vereins zu treffen. Doch mitten im grün-weißen Orkan eben diese Ruhe zu finden scheint unmöglich. Am Sonntag wurde auch noch Werner Kuhn, seit über 30 Jahren im Verein und zuletzt „Direktor Business Development“, gekündigt. Er soll Stimmung gegen das Präsidium und Christoph Peschek (Geschäftsführer Wirtschaft, trat am Sonntag zurück) gemacht haben.

Auch das passt ins Bild: Es gibt in Hütteldorf zu viele Einflüsterer, zu viele Strömungen. Der baldige Ex-Präsident Martin Bruckner stellte dem Klub zum Abschied kein positives Zeugnis aus, ortete „sehr, sehr negative Stimmung“ im Verein. Laut dem 57-Jährigen braucht es strukturelle Reformen, will der heimische Rekordmeister in Österreich zumindest in der erweiterten Spitze mitspielen. „Dieser Mitgliederverein muss im dritten Jahrtausend ankommen! Der Mitgliederverein, so wie er im Moment ist, ist nicht führbar“, sagte Bruckner am Sonntag. Tags zuvor hatte er erklärt, seine Kandidatur für eine zweite Amtszeit zurückzuziehen.

Auf einen Nenner gebracht, brauche es schlankere Entscheidungsstrukturen, ließ Bruckner durchklingen. „Ich kann nicht in Hunderttausenden Gremien irgendwas machen. Wir sind im Wettbewerb mit einer Mannschaft wie Red Bull Salzburg, dem Lask, die auch eine wahnsinnig breite Mitgliederbasis haben, und da gibt es noch ein paar andere Mannschaften. Aber dort sind die Entscheidungswege sehr viel kürzer“, betonte er.

„Ich glaube an den Mitgliederverein, das sage ich ganz offen. Aber nicht in dieser Form, wo man sich gegenseitig lähmt und so viel Kraft nach innen geht.“ In seiner nun hinfälligen Agenda für die Zeit 2022 bis 2025 sei dieses Thema enthalten gewesen. Es gehe darum, die Satzung und die Entscheidungsfindung fit für die moderne Welt zu machen. „Ohne das wird es für den SK Rapid ganz schwer werden, im Konzert der Großen in diesem Land weiterhin mitzuspielen.“

Bruckner habe seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren versucht, entstandene Gräben zuzuschütten und auf Personen zuzugehen, die seine Wahl nicht unterstützt haben. Aber „wenn du permanent erkennst, dass du mit all deinen Aktivitäten an die Wand läufst, muss man einmal die Konsequenzen ziehen“. Mehrheitlich geht es um Personen, die keine offizielle Funktion, aber dennoch Einfluss haben – allen voran die Ultras aus dem Block West.

(cg/APA)