Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Zeitreise

Heute vor 100 Jahren: Spaziergang durch die reduzierte Stadt

Traurig, aber wahr: Heuer wird es wohl am klügsten sein, die Weihnachtseinkäufe nach Neujahr zu erledigen.

Neue Freie Presse am 3. Dezember 1922

Aus verschiedenen Ursachen ist das Spazierengehen durch die Stadt wieder beinahe ein Vergnügen geworden. Vor allem ist es nicht mehr so lebensgefährlich wie vor zwei Monaten. Man kann bequem über Graben, Kärntnerstraße und Kohlmarkt gehen, ohne in ein vielsprachiges Gedränge zu geraten, und beim Ueberqueren der großen Straßenkreuzungen läuft man nicht mehr Gefahr, durch ein Verdienerauto ein ebenso vorzeitiges wie un­rühmliches Ende zu finden. Auch die neu eingeschärfte polizei­liche Gehordnung ist nicht so bös, wie sie zuerst auf dem Papiere aussah. Man wird höchstens von einem Wachmann mit liebenswürdiger Höflichkeit aufmerksam gemacht, daß es nicht gut sei, durchaus blindlings in eine fahrende Straßenbahn hin durchzurennen oder aus dem Fahrdamm den philosophischen Eigenbrötler zu spielen. Uebrigens ist es jetzt viel interessanter und lohnender, schön brav aus dem Bürgersteig zu gehen, nament­lich für den Mittelstandsbürger, der sich das bescheidene Ver­gnügen des Spazierganges an den Auslagen der Inneren Stadt vorbei längst abgewöhnt hat.