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Zeitreise

Heute vor 100 Jahren: "Wilhelm Tell" verboten

Die Besetzung des Rheinlands durch Frankreich stößt auch bei dessen Verbündeten auf wenig Gegenliebe und treibt auch kulturelle Blüten.

Neue Freie Presse am 26. Jänner 1923, Abendblatt

Das neue Barbarentum treibt die schönsten Blüten. Es ist so weit gekommen, daß nicht einmal mehr ein Werk Friedrich Schillers vor einem Verbot sicher ist und daß die Rheinlandkommission sich den unerhörten Spaß leistet, die Aufführung von "Wilhelm Tell" in Koblenz zu verbieten. Offenbar will sie nicht hören, daß Tyrannenmacht eine Grenze hat und daß es Recht gibt, die unveräußerlich und unverlierbar sind wie die Sterne am Himmel. Diese Tollheiten müssen das Gefühl der Erbitterung im deutschen Volke noch maßlos steigern und die Möglichkeit der Verständigung in diesem Volkskriege wesentlich verringern. Ein solches Verbot trifft den Verbieter selbst und die Geschichte als unbarmherzige Richterin wird diese Vorgänge brandmarken.