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Quergeschrieben

Sag mir wo die Kühe sind, wo sind sie geblieben?

Das Idyll trügt. Wir sollten uns beim Wandern fragen, wo eigentlich Österreichs 1,86 Millionen Rinder stecken. Auf der Alm weidet nur ein Bruchteil davon.

Ich stelle mir das Paradies als eine Streuobstwiese vor: ein leicht abschüssiger Obstgarten mit blühenden Marillen-, alten Apfel- und Birnbäumen, in dem ein paar Kühe mit ihren Kälbern weiden. Vielleicht steht sogar irgendwo ein Stier, der über die Herde wacht. Nachts werden oben in den Bäumen Fledermäuse aktiv und eine Zwergohreule. Die erste Grille zirpt, das Gras taunass, es duftet nach Blüten, riecht nach Rind.

Natürlich weiß ich, dass nirgendwo ewiger Frühling herrscht, dass es in der Landwirtschaft keinen Platz für Romantik gibt – und nur Außenstehende auf die Idee kommen, das wäre jemals anders gewesen. Die Wirtschaftlichkeit war stets oberstes Gebot, und dank technischen Fortschritts und gnadenloser Konsequenz leidet bei uns heute niemand mehr Hunger. Keine kleine Errungenschaft. Das kleine Paradies ging damit aber verloren.