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Bargeld

Ist wirklich nur Bares Wahres?

Die Kundinnen und Kunden sollen immer die Wahlfreiheit haben, ob mit Bargeld oder bargeldlos bezahlt wird.Mihailo Milovanovic
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Die neu gegründete „Initiative Bargeld“ stellt Werbespots vor, die über den Umgang mit Geld aufklären sollen.

Österreich hat ein neues Volksbegehren. Die Initiatorin ebendieses, das für „uneingeschränkte Barzahlung“ plädiert, darf sich schon über drei prominente Unterschriften freuen: Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich, Bernd Lausecker vom Verein für Konsumenteninformation und Thomas Steiner, Direktor der Österreichischen Nationalbank. Letzterer gibt als Grund für sein Bargeldplädoyer an, dass er „jung, modern und ein Fan von Bargeld“ sei. Alle drei gründeten gemeinsam die „Initiative Bargeld“ und wollen diesem damit wieder zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen.

Der vierte Teilnehmer des am Mittwoch stattfindenden Pressegesprächs legte sich noch nicht auf eine Unterschrift des Volksbegehrens fest. Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der Schuldenberatung, hat just am Tag des Pressegesprächs davon erfahren und möchte sich dieses erst einmal durchlesen.

Dabei ist die Angst vor der Bargeldsperre auf den ersten Blick unbegründet, das Volumen des Bargelds wuchs in den vergangenen Jahren stetig an. Die Banken haben etwa ihre Bargeldhaltung in den letzten fünf Jahren vervierfacht – von drei Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 12,2 Milliarden Euro per Ende 2021. Starsich betont vor allem, dass auch die Zahl der in Umlauf befindlichen Münzen anwachse, die Zahl ist im Jahr 2021 auf 219,9 Millionen Stück gestiegen und weist nun einen Gesamtstand von 8,3 Milliarden Stück im Wert von 1,8 Milliarden Euro auf.

Steiner erklärt sich den Bargeldaufbau der letzten Jahre vor allem mit dem niedrigen Zinsniveau – ob das Geld zuletzt auf dem Bankkonto oder zu Hause gelegen sei, habe finanziell nur wenig Unterschied gemacht. Und vor allem in Krisenzeiten wie etwa zuletzt der Covidpandemie legen Menschen Wert darauf, Bargeld zu Hause zu haben. Österreich ist nach wie vor ein Bargeldland, mehr als 65 Prozent aller Zahlungen werden am Point of Sale bar getätigt, und bei Geldbeträgen unter zehn Euro zahlen vier von fünf Menschen bar, so Steiner. Die hohe Affinität zu Bargeld hat Österreich übrigens mit Deutschland und Malta gemeinsam.

Beginn der Kampagne

Mit dem heutigen Tag startet eine groß angelegte Kampagne der Münze Österreich und deren Partnern, um über Bargeld aufzuklären.

Die dafür gedrehten Werbespots werden sowohl online als auch im linearen Fernsehen zu sehen sein, um möglichst viele und vor allem junge Menschen zu erreichen. Die „Aufklärung“ konzentriert sich vorrangig auf folgende Themengebiete: Sicherheit, Schnelligkeit und Krisenschutz.

Denn, wenn ein Blackout komme, würde sich nur noch mit Bargeld bezahlen lassen, sagt Starsich und zieht das Beispiel des Tsunamis in Indonesien aus dem Jahr 2004 heran. Bezüglich der Sicherheit erklärt Starsich, dass Kunden durch Bargeld nur mit finanziellen Mitteln und nicht mit Daten bezahlen wollen und damit auch vor Phishing-Attacken sicher seien.

Privatkonkurse steigen an

Der Schritt in die Arbeitslosigkeit ist einer der Hauptgründe für angespannte finanzielle Situationen, berichtet Mitterlehner. Die Anzahl der Privatkonkurse steige zwar schon an, bisher stelle das aber mehr eine Marktregulierung als eine beunruhigende Anhäufung dar. Die Teuerung kommt zwar schon in den österreichischen Haushalten an, aber es gibt auch Faktoren – wie etwa die Stromrechnung –, die erst im Laufe des Jahres zum Tragen kommen werden. Mit Anfang des nächsten Jahres rechnet Mitterlehner mit einem starken Anstieg der Mandantinnen und Mandanten der Schuldenberatung. Er fordert grundlegende Änderungen wie etwa den Ausgleichszulagenrichtsatz für das Existenzminimum und die Mindestpensionen anzupassen und nicht nur Einmalzahlungen seitens des Staates durchzuführen.

Davon betroffen sind laut ihm vor allem Menschen, die bereits verschuldet sind – in Kombination mit den derzeitigen Anhebungen der Zinsen durch die EZB könne dies zu finanziellen Schwierigkeiten führen. Um eine bereits angespannte finanzielle Situation in den Griff zu bekommen, empfiehlt er, Bargeld zu nutzen und eine wöchentliche Behebung des Budgets durchzuführen. Wer das Geld physisch in der Hand halte, gehe auch sorgsamer damit um.

In Bezug auf Kinder sei Taschengeld ein Weg, um schon den Kleinsten einen Umgang mit Geld beizubringen. Darin, dass Finanzbildung wichtig ist und ausgebaut werden soll, sind sich alle vier Vertreter einig. Konkrete diesbezügliche Ansätze wurden im Rahmen dieser Kampagne nicht vorgestellt.


[SR3WL]