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Mural Harbour in Linz: Europas größte Sammlung von Graffiti und Murali im Freien, im Hafengelände an der Donau.
Buchtipp

Der etwas andere Oberösterreich-Trip

„Unnützes Wissen“ als Anleitung für einen kuriosen Oberösterreich-Trip: Beichten auf der Gondelfahrt, über wegkomponierte Gewässer staunen und Durcheinanderknödel kosten.

Das Original ist immer noch das bessere Hallstatt, wenngleich es nicht schadet zu wissen, wo man das Duplikat auf der Landkarte findet: nämlich zwei Stunden nördlich von Hongkong, mit dem Auto. Wie man in China wohl darauf reagieren würde, fluteten umgekehrt Massen an Ösi-Touristen Huizhou, das dreiste Salzkammergut-Fake? Immerhin bestehen frühe Verbindungen zwischen Oberösterreich und China, wie sie Claudia Werner für ihren Band zum „Unnützen Wissen“ ihrer Heimat erhob: Einen Jesuitenpater hatte es im 17.Jahrhundert als Hofastronom nach Peking verschlagen. Nicht viel später wirkte ein weiterer Jesuit aus Oberösterreich am Hof des Kaisers von China und erstellte die erste exaktere Landkarte des Riesenreiches.

Wobei das Unbekannte, Kuriose und Einmalige meist gleich vor der Haustür lauert: Die ersten Rolltreppen – die fuhren in Linz im Donaukaufhaus 1959. Das erste Fertigteilhaus? Das stammt zwar von einem deutschen Architekten, kam aber Ende des 19.Jahrhunderts in Bad Ischl zu stehen. Die erste Tamponfabrik: Wurde von einer Künstlerin im Park einer Villa in Nußdorf eingerichtet. Nur ein paar Belege für den speziellen Innovationsgeist eines Landes mit erster Eternitfabrik und größtem Stahlkonzern der Welt.

Viel Freiraum, wenig Klischee

„Unnützes Wissen“ ist eine Buch- Serie, die nicht nur Österreichs Skurrilitäten versammelt, sondern durchaus mit Ernst das Ureigene, das Urtümliche eines Landes erarbeitet. Was alles an kleinen Sensationen und großen Marginalien Eingang in das Buch findet, ist naturgemäß sehr subjektiv. „Aber was heißt schon unnütz?“, meint die Autorin Claudia Werner, wenn es für Locals von Bedeutung ist. Und sei es ein Gag, wie etwa die Beicht-Gondel, die auf die Katrin, den Haus- und Hofberg von Kaiserin Elisabeth, hinauffährt.

Gramastettner Krapferl: Seinetwegen pilgerte man von Linz ins Mühlviertel.
Gramastettner Krapferl: Seinetwegen pilgerte man von Linz ins Mühlviertel.Claudia Werner

Ihr Bundesland sieht die vielgereiste Linzerin als besonders abwechslungsreich – und doch wenig bestimmt durch festgefahrene touristische Images. Freilich: „Das Salzkammergut verbindet man mit Sommerfrische und Hotspots wie eben Bad Ischl und Hallstatt. Das Innviertel mutet schon recht bayerisch an. Und Linz hat seine industrielle Geschichte.“ Landschaftliche und atmosphärische Unterschiede ergeben sich oft auf wenigen Kilometern: „Das obere Mühlviertel ist ganz anders als das untere.“ Die Recherche hat Werner in entlegenste Winkel gebracht und durch viele Archive stöbern lassen, weiße Flecken auf der Landkarte blieben aber dennoch.

Oblatenbruch und Kompositionsgenie

Vieles in dem unterhaltsamen Band ließe sich auch als Reiseanleitung gebrauchen, zum Beispiel entlang deftiger kulinarischer Wegmarken. Dann würde man in Steyr ein autochthones Wiener Schnitzel essen, genauso wie es im „Nützlichen Kochbuch“ von 1740 steht. Dann Durcheinanderknödel, Bratl in der Rein oder Bosna nachschieben, mit Weißbier oder Most hinterherspülen und das Ganze mit einem Zaunerstollen abschließen. Letzterer sei übrigens ursprünglich „ein Zufallsprodukt“ gewesen, um den anfallenden Oblatenbruch nicht wegwerfen zu müssen, erklärt Werner.

Und nicht zu vergessen die viele Kultur: beginnend bei Europas größter Sammlung an Murals im Linzer Hafen, endend bei Bernhard, Wittgenstein, Bruckner. Am Attersee wird man dann vielleicht an die Anekdote von Gustav Mahlerdenken, der seine Begleitung, den Dirigenten Bruno Walter, doch verwunderte: „Sie brauchen gar nicht mehr hinzusehen, das habe ich alles schon wegkomponiert.“

BUCH-INFO

Tipp: Claudia Werner liest am 9.September beim Wortspiel-Festival in Linz im Shop Kleider machen Leute, Beginn 19 Uhr.

Claudia Werner: „Unnützes Wissen Oberösterreich“
Sutton-Verlag, 14,99 Euro

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2022)