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Interview

ZAMG-Leiterin Elke Ludewig: „Wir sind auf dem Sonnblick sehr oft in den Wolken“

Weiß man mehr über Wolken, lassen sich Klima- und Wettervorhersagemodelle verbessern.
Weiß man mehr über Wolken, lassen sich Klima- und Wettervorhersagemodelle verbessern.E.Ludewig@ZAMG
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Das Observatorium auf dem Sonnblick verfügt weltweit über die längsten Messreihen von Wetterdaten im Hochgebirge. Nun etabliert man sich als europäisches Zentrum für Wolkenforschung, erzählt Leiterin Elke Ludewig.

Die Presse: Ganz Europa stöhnt unter der Hitze – wie macht sich das auf dem Sonnblick bemerkbar?

Elke Ludewig:In diesem Jahr war es sehr früh sehr warm, der wenige Schnee ist rasend schnell geschmolzen. Der Gletscher war Anfang Juli schneefrei, das ist außergewöhnlich früh. Auch in den Räumen merken wir die Hitze, sie wärmen sich durch die extreme Sonnenstrahlung stark auf. Unsere Messgeräte brauchen aber konstante Temperaturen, die Kühlung stellt uns derzeit vor große Herausforderungen. Wir haben auf dem Sonnblickgipfel über zwei, drei Wochen am Stück weit über zehn Grad Celsius, das ist sehr ungewöhnlich für das Hochgebirge.

Ist der Temperaturanstieg in den Alpen stärker als anderswo?

Wir reden im Zusammenhang mit der Erderwärmung immer von den 1,5 Grad Celsius, die wir nicht überschreiten sollen. Aber das ist eine Jahresmitteltemperatur, die global zu sehen ist. Das berücksichtigt nicht die lokalen Auswirkungen: In den Rocky Mountains, den Alpen oder im Himalaya haben wir das Ziel schon überschritten. Seit den 1960er-Jahren verzeichnen wir im Hochgebirge einen Anstieg der mittleren Jahresmitteltemperatur um zwei Grad. Hier merkt man die Auswirkungen durch das Abschmelzen der Gletscher oder das Auftauen von Permafrost. Wenn ich von Kolm Saigurn mit der Seilbahn auf den Sonnblick fahre, sehe ich Murmeltiere, die unter Hitzestress leiden. Sie wandern in höhere und damit kühlere Regionen. Da ist wiederum die Frage, wie es mit dem Nahrungsangebot aussieht.