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Mein Samstag

Nach der Katzenwäsche das Licht ausblasen

Die Wien Energie bereitete ihre Kunden im Sommer schon fürsorglich auf den Blackout vor.

Da soll noch einer sagen, als Einzelne?r könne man nichts ausrichten. Was jahrelange Klimadebatten nicht anstoßen konnten, schafft Putin mit links: Wir reden plötzlich über das, was die Schräubchen unseres täglichen Lebens am Laufen hält. Auch die Wien Energie rief ihre Dienstleistungen zuletzt ihren Kunden ins Gedächtnis – nicht nur mit einem Crashkurs zur Strombörse, sondern auch mit praktischen Vorbereitungsübungen. In etlichen Wiener Bezirken ging in diesem Sommer das Licht aus (und einiges andere auch).

Wir zum Beispiel kochten unlängst gerade Feigenmarmelade, als es finster wurde. Immerhin funktioniert in so einem Fall zumindest eine Weile noch das Handy, das uns a) versicherte, dass das noch nicht der große Blackout sei (nur unserer und zwei andere Bezirke waren betroffen), und das uns b) den Weg zur Lade mit den Kerzen wies. Das Ganze führte zu ein paar weiteren Erkenntnissen, etwa jener, dass so eine einzelne Kerze erstaunlich viel Licht gibt, wenn es sonst ganz finster und man auf sie angewiesen ist. Wir platzierten die Kerzen also an strategisch günstigen Punkten, verschoben das Abfüllen der Marmelade auf den nächsten Tag und stellten fest, dass man dann auch nicht viel mehr tun kann, als schlafen zu gehen. Freilich nicht ohne kurzen gedanklichen Kurzschluss (nachdem die Therme nicht geht, könnte man sich für die Katzenwäsche doch mit dem Wasserkocher behelfen?). Dafür entsannen wir uns des Topfs voller Heißwasser, in dem die Marmeladengläser ausgekocht worden waren. So früh wie an jenem Abend wurde bei uns selten das Licht ausgeblasen.

Seither grüble auch ich, wie man vorsorglich Energie sparen könnte. Viel ist mir nicht eingefallen. Pool haben wir keinen, Deckel verwenden wir schon. Ich wasche mir jetzt die Haare im Waschbecken statt in der Dusche. Was man halt so als Einzelne?r beitragen kann.

E-Mails an: teresa.schaur@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.09.2022)