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Alles muss raus! Kevin Spacey als Herr der Trader in „Margin Call“.
Streamingtipps

In den Fallstricken des Finanzmarkts

Die Aufregung um die Geldnot der Wien Energie hat gezeigt: Wer an der Börse tätig ist, kann sich nicht nur eine goldene Nase verdienen, sondern auch eine blutige holen. Sieben Filme und Serien, die genau das vorführen.

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Der große Crash – Margin Call

Nur zum Leihen/Kaufen

Der große Krach in leisen Tönen: Mit „Margin Call“, seinem Erstlings- und zugleich Meisterwerk, hat es Regisseur und Drehbuchautor J. C. Chandor besser als alle anderen geschafft, die Finanzkrise auf den Bildschirm zu bannen. Er inszenierte ein Kammerspiel um Menschen, die mit dem Rücken zur Wand stehen. Eine Nacht und ein Tag in einer New Yorker Investmentbank, mit Anklängen an Lehman Brothers. Und eine schlichte Geschichte um komplexe Wertpapiere: Ein kleiner Risikomanager kommt drauf, dass seine Firma vor dem Abgrund steht. Der oberste Chef befiehlt, die faulen Papiere rasch abzustoßen, bevor die Wall Street Verdacht schöpft – auch wenn die Bank damit viele Kunden in den Ruin treibt. Da sind kluge Leute am Werk, ohne Panik und Gier, durchaus mit Gewissen, die dennoch alles in den Abgrund reißen. Wo Regiekollegen nach Gut und Böse sortierten und entrüstet Anklage erhoben, lieferte Chandor eine melancholische Reflexion über unsere Verstrickung in Strukturen von Markt und Macht. Und er schuf viel Raum zur Entfaltung seiner Stars: Kevin Spacey, Jeremy Irons, Demi Moore. Nur der „Margin Call“, um den es ja auch bei der Wien Energie gegangen ist, kommt hier gar nicht vor. Aber dafür gibt es ja Wikipedia.

The Wolf of Wall Street

Zu sehen auf Netflix

Martin Scorseses Film über den Turbokapitalismus beginnt mitten im Alltag der Brokerfirma Stratton Oakmont: Prostituierte und Drogen werden konsumiert, während man Millionen mit betrügerischen Manövern scheffelt. Der Film ist virtuos, aber wüst orchestriert, nach einer wahren Geschichte. Die Vorlage war ein autobiografisches Buch, geschrieben von einem Broker, nachdem er vom FBI dingfest gemacht worden war.

The Big Short

Zu sehen auf Amazon

Wie war das nochmal, als Spekulationen im Bankensektor 2008 zur großen Finanzkrise führten? Der ambitionierte Kino-Komiker Adam McKay („Don't Look Up“) schuf einen herrlich chaotischen Film über die Profiteure des Debakels, der zu gleichen Teilen unterhalten, aufklären und agitieren will. Mit allerlei schrägen Antihelden, allen voran Christian Bale: Er gibt den Hedgefondsmanager Michael Burry, der die US-Immobilienblase früh erkannte und gegen den Markt wettete (und der jüngst erneut vor einem Crash warnte). Zwischendurch dürfen Gaststars – etwa Margot Robbie mit Sekt in der Badewanne – ökonomische Begriffe erklären.

King of Stonks

Zu sehen auf Netflix

Vom „größten Finanzskandal der deutschen Geschichte“ handelt diese Serie, ohne Wirecard je direkt zu nennen. Die Anspielungen sind trotzdem deutlich, nebenbei auch auf österreichisches Geheimdienst-Chaos und auf die Short-Selling-Spielchen rund um die Game-Stop-Aktie. Kurz: eine clever überdrehte und netzkulturell unterfütterte Satire über die Fintech-Branche, digitale Glücksritter, Gier und Größenwahn. Mit dem Österreicher Thomas Schubert als schlauem Drahtzieher eines großen Betrugs.

Bad Banks

Zu sehen auf Netflix

Kann uns eine Serie der deutschen Öffentlich-Rechtlichen in die Finanzwelt entführen, ohne wie Schulfernsehen zu wirken? Und ob! Ein bitterböses Duell zweier karrieregeiler Frauen, rasant, intrigenreich, in authentischem Ambiente. Wenn auch die Logik zuweilen leidet und die Kolportage nie fern ist: Chapeau!

Arbitrage – Macht ist das beste Alibi

Nur zum Leihen/Kaufen

Gordon Gekkos legendärer Spruch „Gier ist gut“ wäre Robert Miller in seiner Direktheit viel zu vulgär. Der Hedgefonds-Spezialist, brillant gespielt von Richard Gere, weckt Vertrauen. Egal, wie verlogen seine Winkelzüge sind. Als seine französische Geliebte bei einem gemeinsamen Autounfall stirbt, verwischt er seine Spuren. Was folgt, ist ein Thriller mit amoralischem Zentrum. Sowohl die Darstellung der Welt der Superreichen als auch der Insidersprech der Finanzleute überzeugen.

Wall Street: Geld schläft nicht

Zu sehen auf Disney+

Über 20 Jahre nach seiner moralischen Börsenfabel „Wall Street“ schuf Oliver Stone – von der Finanzkrise inspiriert – eine Fortsetzung. Der Film beginnt mit der Entlassung des ikonischen Spekulanten Gordon Gekko (Michael Douglas) aus der Haft. Inszenatorisch zeigt sich Stone in Spitzenform: Mit Power-Point-Gedankenblitzen und über die Skylines gelegten Börsenkursen entwirft er eine eindrucksvolle Vision vom Leben in der Finanzblase.