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Die Covid-Pandemie hat einen neuen Diskurs über die Selbst- und Fremdwahrnehmung unserer Gesichter angestoßen.
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Zeitgenössisches Gesichtsbild

Instagram und Zornesfalte: Über das Gesicht

Die Autorinnen Luzia Braun und Ursula März haben sich auf die Suche nach dem zeitgenössischen Gesichtsbild gemacht.

Peter Sloterdijk braucht keinen Spiegel, er möchte auch nicht hineinsehen. Er sagt, dass ihm beim Blick in den Spiegel ohnehin nur ein Satz in den Sinn komme, nämlich: „Irgendjemand musste es ja geben, der so aussieht.“ Keine Selbstgefälligkeit also, vielmehr ein Einverständnis mit sich selbst, man sieht eben so aus, wie man aussieht. Und wenn Sloterdijk gefragt wird, ob ihm denn gefalle, was er sehe, wenn doch noch eine Begegnung mit dem Spiegelbild stattfinde, dann gibt der deutsche Philosoph eine gleichsam neutrale wie schnörkellose Antwort: „Manchmal ja, manchmal nein.“

Doch soll dieser sloterdijksche Gesichtspragmatismus nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch er philosophisch mit dem Gesicht samt seinem Spiegelbild befasst hat. Die „Demokratisierung des Spiegels“, sagt Sloterdijk, also die Verbreitung des Spiegels in der Gesellschaft unterhalb der Aristokratie, gehöre zu den mediengeschichtlich verborgenen großen Ereignissen des 19. Jahrhunderts. Und tatsächlich hat das Gesicht, mit und ohne Spiegelbild, seither eine große gesellschaftliche Wandlung durchgemacht.