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„Grauenhafter Blick in die azurblaue Tiefe.“ Überquerung einer Gletscherspalte 1905 am Mer de Glace (Mont-Blanc), damals ein Abenteuer voller Schrecken.
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Welt der Alpen

Die Entdeckung der Alpen

Am Anfang stand die schwärmerische, starke Empfindung beim Anblick der hohen Berge. Doch schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann der Massentourismus, sich der Welt der Alpen zu bemächtigen. Ein neuer Bildband zeigt beides: Refugium und Trubel.

Der junge Dichter Friedrich Hölderlin geriet leicht ins Schwärmen, wenn er sich in der Natur aufhielt. 1801 war er in den Appenzeller Alpen und zeigte sich von der glitzernden Schönheit des winterlichen Gebirges tief ergriffen: „Vor den Alpen stehe ich noch immer betroffen“, schrieb er, „ich habe wirklich einen solchen Eindruck nie erfahren.“ Damit begann die Zeit der frühen romantischen Gebirgsentdecker. Sie suchten das Erhabene. Es schlug die Stunde des „Malerischen“, der starken Empfindungen und des Rausches. Doch das war bald nicht mehr überall zu erleben. 1829 glich die Rigi, ein mit Weiden bedeckter fast 2000 Meter hoher Berggipfel in der Schweiz, bereits einem menschlichen Ameisenhaufen. „Zu jeder Stunde findet man den Berg mit vornehmen Personen, Karawanen beiderlei Geschlechts, vor allem Engländerinnen bedeckt.“ Sie alle wollten den berühmten Sonnenaufgang erleben. Bald stand die kleine Gipfelhütte recht verlassen zwischen den neu entstandenen Luxushotels.

Man wurde im Vergleich zu Hölderlins Zeiten deutlich prosaischer in den Formulierungen. Théophile Gautier schrieb 1881 vom „Muskelkater der Bewunderung“, den das Alpenpanorama bei ihm hervorgerufen habe. Und in einer Bergsteigersatire aus dieser Zeit hieß es: „Wir waren auf dem Eismeer. Der Montblanc schaute uns ruhig und majestätisch an. Plötzlich versank mein Begleiter in einem jener bodenlosen Abgründe, deren Anblick allein uns erschaudern lässt. Ich reichte ihm meinen eisenbeschlagenen Stock. Er hielt sich daran fest, zog und zog, und nach einem irrwitzigen Kampf entriss ich ihn dem Nichts.“