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Wiener Originale

Lina Loos: Eine Libelle mit Pranken

Lina Loos
Lina LoosIllustration: Peter Sengl
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Von der adorierten Kindfrau der Wiener Literatenszene zur kompromisslosen Feministin: Lina Loos. Die Ehe mit dem Architekten, der sie nur als Muse, als „Dummerl“ sieht, hält nur drei Jahre.

Du bist die Welt, der Kosmos, das Universum – eingezwängt in einen kleinen Frauenleib“, schreibt Adolf Loos, der Wegbereiter der modernen Architektur, an seine spätere Frau Carolina Catharina „Lina“ Obertimpfler.

Die stadtbekannte Schönheit und Schauspielschülerin, Tochter des Casa-Piccola-Kaffeehausbesitzers in der Mariahilfer Straße, wagt sich in Herrenrunden, wie an den Peter-Altenberg-Stammtisch im Löwenbräu hinter dem Burgtheater. An einem Frühlingstag des Jahres 1902 lernt sie hier Egon Friedell, Karl Kraus und den Architekten Loos kennen: „Er faszinierte mich durch die temperamentvolle, sichere, klare und einfache Art, mit der er seine Ansichten vertrat.“ Als ihr eine Zigarettendose, die Loos als Anschauungsobjekt für einen seiner Monologe verwendet, herunterfällt, stottert sie mit blutrotem Kopf: „Bitte, Herr Architekt, sagen Sie doch, wie ich mich revanchieren kann.“ Loos antwortet: „Heiraten Sie mich!“ – „Ohne eine Sekunde zu zögern, sagte ich Ja!“