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Der Kampf um den Schutz der Wälder

(c) EPA (Mast Irham)
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Damit Länder wie Indonesien nicht weiter ihre Regenwälder roden, sollen Industrienationen finanziellen Ausgleich leisten. Die Regierung in Jakarta will Vorreiter sein. Das werten viele Beobachter als Durchbruch.

Bangkok. Beim Klimagipfel in Cancún haben die Schwellen- und Entwicklungsländer zum ersten Mal eingeräumt, dass auch sie ihren CO2-Ausstoß massiv senken müssen. Vor allem Staaten wie Indonesien sollen zukünftig einen großen Beitrag leisten – indem sie die Rodung ihrer Regenwälder begrenzen. Das werten viele Beobachter als Durchbruch.

Denn vor allem tropische Regenwälder absorbieren und speichern riesige Mengen CO2. Werden diese Wälder gefällt oder abgebrannt, geben sie jedoch die gespeicherten Treibhausgase wieder ab. Ein Fünftel des weltweiten CO2-Ausstoßes entsteht auf diese Weise. Daher sind Rodungen für die Hälfte der CO2-Emissionen Indonesiens verantwortlich, das deswegen einer der größten CO2-Verursacher weltweit ist.

Auf Borneo geht die Abholzung für die kommerzielle Holzgewinnung oder für die Gewinnung von Ackerflächen noch immer in rasender Geschwindigkeit voran. Auf diese Weise hat Borneo innerhalb weniger Jahrzehnte die Hälfte seiner Wälder verloren. Der Schutz der verbliebenen grünen Lungen und die Wiederaufforstung sollen nun durch internationale Abkommen erreicht werden. Die Industrienationen sollen dafür bezahlen.

 

Stopp für Rodungslizenzen

Wie genau diese Finanzierung ablaufen soll, wurde in Cancún ausgeklammert. Einige Staaten schlagen vor, intakte Wälder – ähnlich wie bei dem Handel mit Emissionszertifikaten – international an Börsen zu handeln. Wälder sollen in Zukunft höhere Gewinne bringen, wenn sie intakt gelassen anstatt für Plantagen gerodet werden. „Im Moment hat das Land, auf dem die Wälder stehen, keinen Wert“, sagte Rezal Kusumaatmadja, Wirtschaftsberater und Sohn eines ehemaligen indonesischen Umweltministers.

Das könnte sich ändern, wenn westliche Investoren ihr Geld in die Unversehrtheit dieser Wälder investieren könnten, eine Idee, die der 40-jährige Unternehmer vorantreiben möchte. „Das bedeutet, wir liefern die Emissionsreduktion und erhalten dafür einen Ausgleich. Dann können wir anfangen, über Landwert zu reden.“ Doch Kritiker befürchten, dass Einheimische, die in den Wäldern leben, darunter leiden könnten, wenn das Land plötzlich durch einen internationalen Handel mit Zertifikaten mit Wert aufgeladen wird.

Einen alternativen, bilateralen Weg haben dagegen Staaten wie Finnland, Norwegen, Japan und die USA eingeschlagen, die schon jetzt milliardenschwere Anreize für den Schutz von Indonesiens Wäldern in Aussicht gestellt haben. Finnland möchte in den kommenden Jahren die Produktion von Biomasse fördern. Doch der absolute Vorreiter ist Norwegen.

Bereits im Mai hat die Regierung in Oslo Indonesien eine Milliarde US-Dollar für den Schutz seiner Wälder zugesagt. Hierfür soll Jakarta zwei Jahre lang die Lizenzvergabe für weitere Rodungen komplett stoppen. Das Geld soll an Menschen gehen, die unmittelbar von diesem Stopp betroffen wären. Trotz vieler Unklarheiten soll es bereits im Jänner losgehen.

Die Regierung in Jakarta hat anlässlich des Abkommens mit Norwegen eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um ein Programm der UNO unter dem Namen „REDD“ („Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern“) umzusetzen. Dieses Programm soll den Leitfaden für die Bewahrung von Wäldern weltweit bilden, wurde in Cancún beschlossen. Indonesien möchte dabei der Vorreiter sein. Über das Programm sollen auch Aufforstungsprojekte und eine nachhaltige Nutzung von Wäldern in Gang gesetzt werden.

 

Tausch von geschütztem Land

Palmöl-Hersteller haben bereits Bedenken angemeldet: Viele hätten große Flächen Torf auf ihren Nutzflächen, die ebenfalls durch das Abkommen mit Norwegen geschützt werden sollen. Ein Lösungsvorschlag, an dem die Regierung arbeitet, ist der Tausch von geschütztem mit ungeschütztem Land. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono plant, in den kommenden Wochen eine Anordnung zu erlassen, in der festgelegt wird, wie der Lizenzvergabe-Stopp umgesetzt werden soll.

Auf einen Blick

Wie das Abholzen tropischer Regenwälder gestoppt werden kann, war wichtiges Thema bei der UN-Klimakonferenz in Cancún: Im „REDD“- oder „REDD plus“-Ab-kommen soll festgelegt werden, was die waldreichen Länder wie Indonesien oder Brasilien als Ausgleich für einen Abholzstopp bekommen sollen. Wichtige Detailfragen erwiesen sich als schwierig und blieben offen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2010)