Immer mehr Österreicher fallen auf dreiste Finanzbetrüger herein. Stark im Kommen sind vor allem fingierte Börsenbriefe. Im Internet gibt es sogar einen gefälschten Online-Auftritt der Finanzmarktaufsicht (FMA).
Wien. Die Anlagebetrüger werden immer dreister: Sie haben nun sogar den Online-Auftritt der Finanzmarktaufsicht (FMA) gefälscht. Die Homepage der sogenannten „Austrian Capital Market Authority“ (www.acm-authority.org) sieht professionell aus. Gleich auf der ersten Seite wird mit dem Bild der Wiener Hofburg geworben. Dann heißt es, die ACMA sei für die Kontrolle und Beaufsichtigung von österreichischen Wertpapierfirmen zuständig. Erst nach einer strengen Prüfung würden diese von der ACMA die Lizenz erhalten. Im Internet werden auch Ratschläge erteilt, worauf Investoren bei Finanzgeschäften aufpassen müssen. Das Geschäftsmodell der Fake-Aufsicht ist denkbar einfach: Sie stellt dubiosen Internet-Firmen ein positives Zeugnis aus.
„Doch so eine Aufsicht gibt es nicht. In Österreich gibt es nur die FMA“, warnt Kurt Pribil, Vorstand der richtigen österreichischen Finanzmarktaufsicht. Seit Wochen versucht die FMA, die Homepage der Fake-Aufsicht vom Netz nehmen zu lassen – ohne Erfolg. Denn der Server der vermeintlichen Behörde lasse sich nicht lokalisieren. Es gebe Hinweise, dass die Fake-Aufsicht möglicherweise mit einer Gruppe in Australien zusammenhängt.
Dubiose Infodienste pushen Aktien
Die Finanzmarktaufsicht beziffert den Schaden, der jährlich allein in Österreich durch Finanzbetrug entsteht, auf 750 Mio. Euro. „Das ist noch konservativ geschätzt“, sagt Pribil. Denn die großen Fälle wie Madoff, AvW und Amis seien in dem Betrag noch gar nicht enthalten. Pro Opfer liegt der Schaden im Schnitt bei 30.000 Euro.
Eine beliebte Form der Abzocke seien sogenannte „Cold Callings“. Dabei handelt es sich um ungebetene Werbeanrufe oder E-Mails von angeblichen Aktiengurus. „Wenn man solche Anrufe bekommt, sollten alle Alarmglocken schrillen“, sagt Pribil.
Die Betrüger verweisen auf professionell gemachte Internet-Seiten von angeblichen Anlagefirmen. Dort Geld zu investieren, ist aber erst möglich, wenn man es zuvor ins Ausland transferiert. „Die Chancen, den Einsatz zurückzubekommen, sind daher gering“, sagt Pribil. Auch mit Kreditangeboten, wo nur Spesen anfallen, aber kein Geld fließt, würden Menschen geködert. Trotz vieler Warnungen fallen Österreicher auch immer noch auf die sogenannte „Nigeria-Connection“ herein. Dabei werden von Nigeria aus weltweit E-Mails verschickt, in denen den Empfängern hohe Provisionen versprochen werden, wenn sie afrikanischen Geschäftsleuten behilflich sind, riesige Beträge außer Landes zu schaffen. Zuvor wollen die Täter jedoch Geld für Spesen haben.
Im Zunehmen sind Fälle von Finanzbetrug, die unter dem Schlagwort „Scalping“ zusammengefasst werden. Dabei versuchen Täter mit fingierten Börsenbriefen und Analystenkommentaren zum Kauf von wertlosen Aktien zu animieren. Geworben wird mit Slogans wie „1000 Prozent Kurs-Chance“ und „Garantierter Gewinn in drei Monaten“. Die Aktien stammen in der Regel von gescheiterten Unternehmen oder Briefkastenfirmen, die im angelsächsischen Raum in Börsensegmenten notieren, wo es praktisch keine Kontrolle gibt. Die Täter halten im Regelfall die wertlosen Papiere selbst. Nachdem der Kurs künstlich hochgepusht wurde, steigen sie mit Gewinn aus.
Hotline der Finanzmarktaufsicht
In den vergangenen Monaten wurden der FMA 100 solche Fälle gemeldet. Die Aufsicht hat daher eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer (01)-24959-5108 oder (01)-24559-5124 können Informationen eingeholt und Beschwerden abgegeben werden. Doch meistens sitzen die Betrüger im Ausland, weshalb die Handlungsmöglichkeiten der FMA eingeschränkt sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2010)