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Erfolg international

Karrieresprünge, die inspirieren

Anna Gasser of Austria poses for a portrait after speaking to Reuters at Charles de Gaulle Airport in Paris
Snowboard-Pionierin Anna Gasser.(c) REUTERS
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Snowboarderin Anna Gasser krönte sich zum zweiten Mal mit Olympia-Gold. Die Kärntnerin verschiebt regelmäßig Grenzen ihres Sports und damit auch für Frauen.

Die Karrieresprünge von Anna Gasser hinterlassen besonderen Eindruck. Sich drei komplette Drehungen, zweimal über Kopf, auszumalen ist schon für die eigene Vorstellungskraft eine Herausforderung, dies auf Schnee umzusetzen erst recht. Genau das hat die Kärntnerin 2019 als allererste Snowboarderin geschafft und ist damit im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Peking zu ihrem zweiten Olympia-Gold geflogen. Mit inzwischen 31 Jahren ist Gasser in der Freestyle-Szene eine „Grande Dame“, eine, die nach wie vor mit beeindruckender Regelmäßigkeit und Leichtigkeit die Grenzen ihres Sports verschiebt. Sie ist nominiert in der Kategorie „Erfolg international“.

Auf dem Snowboard und schneebedeckten Hängen liegt für Anna Gasser bis heute die Freiheit. Dabei kam sie erst mit 17 Jahren und damit relativ spät zum Sport. Umso rasanter war ihre Entwicklung zwischen Rails, den Geländern im Slopestyle, und Kickern, den großen Schanzen im Big Air. Zwei Olympiasiege (2018, 2022), einmal WM-Gold (2017), vier X-Games-Triumphe (2017–2020) sowie zwei Gesamtweltcupsiege sind die statistischen Eckdaten ihres Erfolgsweges. Sich so lang an der Spitze eines Actionsports zu halten, den unvermeidlichen Verletzungen zu trotzen, ist eine herausragende Leistung für sich. Wer allerdings ihre Wegbegleiterinnen fragt, viele davon zugleich Freundinnen und härteste Rivalinnen, wird vor allem hören, wie sehr sie Gassers Beitrag zum Wandel der Freestyle-Szene wertschätzen. War zuvor „good for a girl“ die Maxime, sorgten ihre historischen Sprünge für ehrliche Anerkennung in dieser männerdominierten Welt. Ihre Strahlkraft setzte die Millstätterin fortan für den Kampf um Gleichberechtigung, etwa beim Preisgeld, ein. „Speziell Frauen möchte ich die Message mitgeben, dass es keine Grenzen gibt, dass man sie verschieben kann, wenn man daran glaubt“, erklärte sie in einem „Presse“-Interview.

Eigentlich hat Gasser schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dass die 31-Jährige im Herbst trotzdem wieder im Weltcup antreten wird, ist genau dieser Vision und dem Zusammenhalt unter den Kolleginnen geschuldet. Die Pionierin möchte den Sport und ihre Nachfolgerinnen gemeinsam weiterentwickeln. Denn für Gasser war und ist Snowboarden so viel mehr als das Streben nach Erfolg, das ihr gewissermaßen nebenbei passiert ist, wie sie gern sagt. Sie liebt den Lifestyle, den sie lang vor den Siegen und der öffentlichen Aufmerksamkeit kennenlernte, als sie mit 18 auf eigene Faust in die USA ging und über Monate in einem Zimmer ohne Küche wohnte. Ewig wird dieses Lebensgefühl im Spitzensport nicht überdauern, wie Gasser selbst sagt. Aber bis dahin genießt sie – und geht mit Überzeugung voran.

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22