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Kulturerbe

Ein Musikerduo auftönender Eroberungstour

Klingen anders: das Duo Bartolomey Bittmann.Die Presse/Clemens Fabry
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Ein Geiger und ein Cellist mischen das heimische und europäische Musikleben gehörig auf. Klassik? Pop? Rock? Alles und auch nichts davon!

Zwei junge Männer, ein Geiger und ein Cellist – was werden die schon anderes machen, als sich mozartisch-klassisch zu betätigen? Schräge PR-Fotos gibt es ja auch von Brahms-Interpreten, heutzutage. Und doch: BartolomeyBittmann, das ist ganz etwas anderes. Zugegeben, Klemens Bittmann spielt auch Mandola, aber was er im Verein mit dem Cellisten Matthias Bartolomey musikalisch produziert hat, war imstande, die österreichische Musikszene gehörig aufzumischen.

Klassisch? Gut und schön. Aber da rockt and swingt es gewaltig. Die Musik ist nirgends richtig einzuordnen, sie stammt eben von BartolomeyBittmann. Das wissen die Fans des Künstlerduos, das seit genau zehn Jahren gemeinsam auftritt, mittlerweile ganz genau. Insofern herrscht natürlich mozartischer Geist bei ihnen, im übertragenen Sinn jedenfalls.
Vom stromlinienförmigen Cross-over sind die beiden nämlich so weit entfernt wie von einer braven klassischen Kammermusikformation. Wenn beispielsweise jemand nicht weiß, was die Vortragsbezeichnung „con brio“ bedeutet, dann muss er nur ein paar Takte BartolomeyBittmann hören – und schon weiß er's. Denn die beiden Musiker gehen mit Hochdruck an ihre Aufgabe heran, ihren klassischen Instrumenten neue Spielweisen und originelle klangliche Facetten abzugewinnen. Und weil die richtigen Stücke dafür noch nicht komponiert wurden, müssen sie eben selbst dafür sorgen.

Auch diesbezüglich fußt, was an den Darbietungen spontan und zündend improvisiert wirkt, auf solidem Handwerk. Hier herrscht Perfektion, bei der Spieltechnik ebenso wie beim kompositorischen Know-how. Niemand Geringerer als Nikolaus Harnoncourt meinte einst über eine der frühesten Nummern des Duos: „Super komponiert und fabelhaft gespielt!“
Dass sich bei BartolomeyBittmann „unbändige Spiellust und radikaler Rhythmus“ vereinen, hat der große Jazz-Gitarrist Wolfgang Muthspiel anerkennend festgehalten. Die Noten im künstlerischen Zeugnis fallen also bei den strengsten Begutachtern aller musikalischen „Lager“ bestens aus.

Die Früchte des Lockdowns

Kein Wunder, dass das jüngste Album namens „z e h n“ von der Gilde der deutschen Schallplattenkritiker bei der Vorbereitung ihrer diesjährigen Preisvergabe auf die Bestenliste gesetzt wurde. Mit „z e h n“ feiert das Duo seinen Geburtstag – und stellt einige Werke vor, die während des Lockdowns im stillen Komponierkämmerchen entstanden sind. Da haben die Zeitläufte das selbst gesteckte Ziel der Künstler unterstützt. Bartolomey Bittmann sollte von Anfang an ein dauerhaftes Projekt sein, bei dem die Zusammenarbeit durch ausgiebige Konzertreisen immer weiter perfektioniert wird. In längeren Phasen des Rückzugs sollen neue kreative Prozesse in Gang kommen. Letzteres war nun sozusagen von außen vorgegeben. Aber längst touren die beiden wieder. Die kommenden Wochen führen sie durch halb Europa, von Barcelona bis Amsterdam.

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22