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Unternehmen mit Verantwortung

Wo aus dem Müll ein wertvoller Rohstoff wird

Brantner-Geschäftsführer Josef Scheidl.(c) Brantner
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Im Familienunternehmen aus Krems ist „Kreislaufwirtschaft keine Phrase, sondern Programm“, betont Geschäftsführer Josef Scheidl.

Krems. Was vor mehr als 80 Jahren als kleines Transportunternehmen und Reisebüro begonnen hat, ist heute ein internationaler Konzern mit 2700 Mitarbeitern in Österreich, Tschechien, der Slowakei, Rumänien und Serbien und eines der innovativsten Entsorgungsunternehmen des Landes. Geblieben ist die Brantner Gruppe aus Krems in Niederösterreich ein Familienunternehmen, das mittlerweile in dritter Generation geführt wird.

Nachhaltigkeit, Innovation und Ökologie sind hier keine Worthülsen. „Für uns ist Kreislaufwirtschaft keine Phrase, sondern Programm“, sagt Geschäftsführer Josef Scheidl. Das Unternehmen erledigt für mehr als 1000 Kommunen und knapp 30.000 Betriebe die Entsorgung. Wobei der Begriff „Entsorgung“ viel zu kurz gegriffen ist. Im Müll verbirgt sich so mancher Goldschatz. Und das im wahrsten Sinn des Wortes.

In Hohenruppersdorf im Weinviertel steht die „Goldmine“ des Unternehmens. Die Anlage funktioniert tatsächlich nach dem Prinzip einer Goldmine. Doch statt Gestein wird hier die Schlacke aus den diversen Müllverbrennungsanlagen aufbereitet. Mit seinem speziellen und natürlich patentierten Verfahren werden Metalle wie Eisen und Aluminum, aber auch Palladium und Gold aus der Asche gewonnen. Am Ende können 80 Prozent der Schlacke wiederverwendet werden. Jährlich werden so 70.000 Tonnen Schlacke verarbeitet und 5000 bis 7000 Tonnen Metalle gewonnen.

Rechnet sich das auch wirtschaftlich? „Ökologie und Ökonomie müssen sich die Hand geben. Das ist die Zukunft“, sagt Scheidl. Allein was man sich an Deponiekosten erspare, sei enorm. Und explodieren die Rohstoffpreise wie zuletzt, so rechnet sich der Aufwand mehr denn je.
„Wir machen mehr als nur Müll einsammeln“, betont Scheidl. In Gneixendorf bei Krems befindet sich etwa das „Erdenreich“. Dort werden aus Biomüll fruchtbarer Kompost und Erde gemacht. Klingt nach Gartenarbeit, ist aber die Verbindung aus „Tradition, Innovation und Digitalisierung“, wie Scheidl betont. Denn jedes Mal, wenn eine Biotonne in den Müllwagen gekippt wird, wird ein Foto gemacht. Mittels künstlicher Intelligenz werden die Bilder ausgewertet. Am Ende weiß man exakt, wie rein der Biomüll ist. „Wir verwenden Schulnoten“, erzählt Scheidl. Eins und zwei bedeutet, dass der Biomüll sauber getrennt worden ist und de facto sofort kompostiert werden kann. Drei heißt, dass man den Müll noch einmal bearbeiten muss. Und bei einer Vier und Fünf landet der Biomüll leider gleich beim Restmüll, weil er derart verunreinigt ist, dass nichts mehr geht.

Kein Öko-Spion

Übrigens: Auf dem Land wird sorgfältiger Müll getrennt als in der Stadt. Rein theoretisch könnte man genau eruieren, in welchen Gemeinden ordentlich Müll getrennt wird und in welchen die Bürgermeister besser noch eine kleine Aufklärungskampagne in Betracht ziehen sollten. Aber Brantner spielt nicht auf Öko-Spion, sondern setzt vielmehr auf Öko-Innovation.

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22