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U-Ausschuss

OMV-Strategiewechsel führte zu Gas-Abhängigkeit

OeVP-KORRUPTIONS-U-AUSSCHUSS: ROISS
APA/HELMUT FOHRINGER
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Der frühere OMV-Chef Gerhard Roiss erklärte im Untersuchungsausschuss, wie er das Risiko bei der Gasversorgung minimieren wollte und wie ein Strategiewechsel seines Nachfolgers die Abhängigkeit von Russland erhöhte.

Untersuchungsausschüsse haben ein Thema und einen Untersuchungszeitraum vorgegeben, an die sie sich halten müssen. Beides kann aber auch recht flexibel ausgelegt werden, wie die Befragung am Dienstag zeigte. Mögliche ÖVP-Korruption im Zeitraum 2017 bis 2021 ist das Thema, am Dienstag ging es dann um die Frage, wie die starke Abhängigkeit Österreichs vom russischen Gas zustande gekommen ist.

Geladen war der frühere OMV-Chef Gerhard Roiss, der zu dem Thema einiges zu sagen hat – er war aber nur bis 2015 Chef des Mineralölkonzerns, also vor Beginn des Untersuchungszeitraums. Laut Roiss hat die OMV heute „keine Strategie für die Versorgungssicherheit von Gas im Krisenfall, was wir heute schmerzvoll spüren“. Er selbst habe auf Gas aus Norwegen gesetzt und ein stärkeres Engagement in Russland abgelehnt, sagte Roiss er im Untersuchungsausschuss.

Kritik von Siegfried Wolf

Wie es dazu gekommen ist? Roiss sieht einen Zusammenhang mit der Bestellung von Siegfried Wolf zum Aufsichtsratschef der ÖIAG im Jahr 2014. Der habe ihm damals in zwei Gesprächen vorgeworfen, eine falsche Strategie zu verfolgen – obwohl die Strategie kurz davor im Aufsichtsrat der OMV beschlossen worden war. Hat Wolf ein stärkeres Engagement in Russland gefordert? Das kann Roiss nicht bestätigen, darum sei es in den Gesprächen nicht gegangen. Wohl aber sei ihm bald darauf von seinem Aufsichtsratschef Rudolf Kemler mitgeteilt worden, dass er das Unternehmen verlassen solle.

Roiss hatte darauf gesetzt, ein Drittel des Gasbedarfs aus Norwegen zu holen und ein weiteres Drittel aus Rumänien, wo man einen großen Gasfund im Schwarzen Meer gemacht habe. Der Rest sollte aus Russland kommen. UnterNachfolger Rainer Seele kam es dann zum Strategiewechsel, die OMV machte nicht mehr nur Handelsgeschäfte mit Russland, sondern startete dort auch Investitionen. Letztlich sollte nach dem Ausscheiden von Roiss die Abhängigkeit vom russischen Gas stark ansteigen. Wobei es, so der Ex-Manager, ein glücklicher Umstand sei, dass der geplante Verkauf der norwegischen Gasfelder an die Gasprom am Widerstand der norwegischen Behörden scheiterte.

Einfluss der Politik

Hat aber nun die Politik eingegriffen, um den Strategiewechsel im teilstaatlichen Unternehmen zu erzwingen? Zu dieser, für den U-Ausschuss eigentlich interessanten Frage konnte Roiss keine Angaben machen. Er bestätigte zwar Gespräche mit Minister Hans Jörg Schelling, hatte aber eher vage Erinnerungen an die Inhalte. Nachfolger Rainer Seele wird man auch nicht fragen können: Der hat keinen Wohnsitz in Österreich, ihm konnte keine Ladung zugestellt werden.


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