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Humanitäres Engagement

Tanja Maier: Plötzlich Flüchtlingshelferin

Flüchtlingshelferin Tanja Maier.
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Aus wenigen Tagen wurde ein halbes Jahr: Tanja Maier verteilt Lebensmittelgutscheine an ukrainische Flüchtlinge – und sie hört ihnen zu.

Eigentlich wollte Tania Maier nur ein paar Tage am Wiener Hauptbahnhof aushelfen. Ihr fließendes Russisch konnte sie bei den ankommenden ukrainischen Flüchtlingen gut einsetzen. Nun, ein halbes Jahr später, hat Maier einen Verein, versorgt Tausende Familien mit Essen und ist für viele Ukrainerinnen in Österreich die inoffizielle erste Anlaufstelle geworden. Ihre ehrenamtlichen Arbeitsstunden könnten locker eine, wenn nicht zwei Vollzeitstellen füllen.

„Es ist einfach passiert“, sagt Maier, die in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ nominiert ist . Weil sie über ihre Erlebnisse am Bahnhof auf ihrem Blog und auf Twitter schrieb, wurden viele auf ihr Engagement aufmerksam. Maier ist Amerikanerin, Mutter dreier Kinder und seit zehn Jahren mit einem Österreicher verheiratet. Bekannte, aus ihrem internationalen Netzwerk, und später Fremde, begannen, ihr Geld für die Flüchtlinge zu senden. „Ich bin zu einer Freiwilligen mit Budget geworden.“ Schnell wurde ihr klar, dass es vielen Flüchtlingen selbst an dem Nötigsten fehlte. So kam sie auf die Idee, Supermarktgutscheine zu kaufen und zu verteilen. Möglichst simpel, möglichst unbürokratisch. Ein Gutschein um 50 Euro für eine Familie – und das nur einmal. Für öfter reiche das Geld nicht, sagt Maier. „Wir haben derzeit über 2000 Familien auf der Warteliste.“ Als Maier den Bedarf nicht mehr alleine stemmen konnte, sprang der Grazer Mario Zechner ein, „den ich davor nie gesehen hatte“. Gemeinsam gründeten sie einen Verein und setzten für die Hilfs- sowie Spendenanfragen eine Website auf (cards-for-ukraine.at).

Maiers Handy klingelt aber trotzdem weiterhin. „Meine Nummer hat sich ziemlich schnell in der ukrainischen Community verbreitet“. Auf Telegram – ihr folgen 1500 Menschen – versucht sie wichtige Infos über das Leben in Österreich weiterzugeben, sie verbringt immer noch Zeit am Bahnhof, übersetzt und trifft Menschen, die mit ihren Problemen bei den offiziellen Stellen und NGOs anstehen. „Ich konzentriere mich auf die besonders Vulnerablen.“ Nicht immer kann sie helfen. „Vielen geht es einfach nur darum, ihre Geschichte zu erzählen, gesehen zu werden.“ Sie habe zwar keinerlei soziale Ausbildung, „aber ich habe gelernt, wie man zuhört, wie man Menschen einfach weinen lässt.“

Es sei hart und emotional enorm herausfordernd, „täglich von all diesem Schmerz zu erfahren“. Mittlerweile kennt Maier andere Engagierte in ganz Österreich, man helfe sich gegenseitig. Trotzdem hätten ihre Familie, ihre Kinder, gelitten. „Ich hatte ein paar Wochen Urlaub. Aber wenn ich Hilferufe auf mein Handy bekomme, kann ich mich auch nicht zurücklehnen.“

Maier wollte als Freiwillige einspringen, solange, bis der Staat das Ruder übernimmt. Nur dass das nie wirklich passiert sei, meint sie. „Die Probleme werden schlimmer. Die Menschen haben immer noch zu wenig Geld.“ Viele würden nach und nach ihre vorübergehend zur Verfügung gestellten Wohnungen verlieren. Mit der Inflation werden auch die Spenden immer weniger. „Ich habe Angst vor dem Winter.“ Ans Aufhören ist nicht zu denken.

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22