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Brüssel-Briefing

Und wenn Emmanuel Macron doch recht hat?

France's President Macron speaks to media after video talk with German Chancellor Scholz, in Paris
Vor dem Sommer lancierte Macron eine Idee, die vielleicht dazu geeignet ist, dieses Problems Herr zu werden: eine „Europäische Politische Gemeinschaft“.REUTERS
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Die Idee der Gründung einer „Europäischen Politischen Gemeinschaft“ wird in der Brüsseler Blase und in Osteuropa mit einer Mischung aus Abschätzigkeit und Besorgnis behandelt. Doch was, wenn dieser Vorstoß des französischen Präsidenten, die Nachbarn der EU näher an sich zu binden, doch fruchtet?

Seit Mittwoch dreht das kurze Video aus einem Dokumentarfilm des französischen Fernsehsenders France 2 seine Runden in den sozialen Medien, ich kann Ihnen diese Minute und drei Sekunden, welche Eleanor Beardsley, die Paris-Korrespondentin des National Public Radio online gestellt hat, dringend empfehlen: man sieht Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron während seines Telefonats mit seinem ukrainischen Pendant Wolodymyr Selesnkij am 24. Februar, also unmittelbar während des Beginns des russischen Überfalls auf die Ukraine. „Es ist viel schlimmer als 2014“, sagt Selenskij. „Verstehe. Es ist totaler Krieg“, antwortet Macron, Selenskij bejaht das. Und dann sagt er etwas, das jene Zeitgenossen, die Macron als Putinversteher brandmarken und ihm unterstellen, er wolle die Ukraine an den Kreml ausliefern, bloß um den Krieg zu beenden, zum Verstummen bringen sollte: „Also, Emmanuel, ich denke, es ist sehr wichtig, dass Sie mit Putin reden.“ Nachsatz: „Und dass Sie eine Koalition gegen den Krieg bilden."

In diesem Satz Selenskijs sind die beiden essenziellen Säulen jeder Geopolitik vereint: Diplomatie - und militärische Macht. Spitzenpolitiker der EU träumen bekanntlich seit Jahren davon, die Union zu einem geopolitischen Hauptdarsteller zu machen. Geklappt hat das bisher nie, was einerseits an der ökonomischen Abhängigkeit liegt, in die sich Europa gegenüber den totalitären Regimen in Moskau und Peking begeben hat, andererseits aber vor allem daran, dass die Europäer mit ihrem geopolitischen Latein ziemlich am Ende sind, sobald sie die Grenzen der Union erreichen. Was kann man einem Land wie der Türkei anbieten? Den gerade erst ausgetretenen Briten? Den früheren Sowjetrepubliken, die anders als die drei baltischen Republiken keine Aussicht auf einen schnellen Beitritt haben?