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Kunst

Die Obama-Porträts wurden mit der Zeit auch nicht besser

APA/AFP/MANDEL NGAN
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Endlich enthüllt: Die Porträts lagen jahrelang unter Verschluss in den Ateliers der Künstler. Sie sind interessant, aber die älteren sind Ikonen.

Eigentlich hätte Donald Trump die Obamas zu dieser Zeremonie bitten sollen. Werden die offiziellen Porträts von Präsident und Gattin für die Galerie des Weißen Hauses doch traditionell in der Zeit ihres Nachfolgers enthüllt. Doch auf die Einladung von Trump konnte Obama lange warten. Jetzt wurde sie also von Joe Biden nachgeholt, der die Obamas am Mittwoch dazu im Weißen Haus empfing, erstmals waren sie wieder gemeinsam dort. Die Porträts waren seit Jahren unter Verschluss in den Ateliers der Künstler gelagert gewesen.

Und wieder, wie schon bei den seit 2018 bekannten Obama-Porträts für die zweite US-Präsidenten-Galerie in der National Portrait Gallery, sind sie künstlerisch interessant, viel interessanter als gemeinhin diese oft anachronistisch empfundene Pflichtübung erfüllt wird.

Vor allem das von Barack Obama überzeugt in seiner Schlicht- und Direktheit: Robert McCurdy ist ein Meister des in den USA immer noch relevanten Fotorealismus. Er hielt Obam nicht nur minutiös und völlig ohne Schönerungen fest – Obama hatte, wie er eher kokett gestand, auch diesmal, wie schon bei seinem vorigen Porträt übrigens, versucht, seine Ohren künstlerisch verkleinern zu lassen. Erfolglos.

REUTERS

Das auffälligste aber ist der harte leere, weiße Hintergrund des ungerahmten Bilds. Völlig unaufgeregt wird so das Gesicht Obamas, erster afroamerikanischer Präsident, hervorgehoben. Die meisten anderen Präsidenten-Porträts, man kann sich hier durch eine Galerie von ihnen durchklicken, weisen dunkle Hintergründe auf. Aus Gründen.

Viel konventioneller wirkt Michelle Obama, die Sharon Sprung auf ein Sofa des Roten Salons des Weißen Hauses drapiert hat, in einem der Signature-Ballkleider von Obamas Lieblingsdesigners Jason Wu. Mit leicht süffisantem Lächeln sieht sie doch aus wie eine entspannte Gesellschaftsdame. Ein Salongemälde wie es im Buche steht eigentlich. Immerhin ist die Malerin in Brooklyn aufgewachsen. McCurdy ist ein Weißer.

APA/AFP/MANDEL NGAN

Das nur deshalb betont, weil bei den ersten beiden Porträts der Obamas bewusst afroamerikanische Maler gewählt wurden: Kehinde Wiley ist ein Megastar, auch am Kunstmarkt. Er zeigte Obama damals wie einen Märchenprinzen aus einem dichten, grellgrünen Blätterwald auftauchend. Amy Sherald erschuf auf ihrem Bild eine ungemein stolze Michelle Obama wie eine Klimt-Ikone, die Haut in Grautönen, wie sie es bei ihren Porträts von schwarzen Frauen immer tut. Diese beiden Gemälde stehen am Beginn der Obama-Ära, sie sind es auch, die künstlerisch Bestand haben werden, wie es aussieht.

A portrait of former President Barack Obama is displayed at the Smithsonian s National Portrait Gall
So sah das Porträt von Barack Obama 2018 aus.(c) imago/UPI Photo (Pat Benic)
So wurde Michelle Obama 2018 gemalt.
So wurde Michelle Obama 2018 gemalt.(c) imago/UPI Photo (Pat Benic)