Laut dem russischen Präsidenten kommt das aus der Ukraine exportierte Getreide nicht bei den ärmsten Ländern an. "Putin hat recht“, so der türkische Präsident. Er möchte möglichst bald mit den Getreidelieferungen aus Russland beginnen.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Donnerstag der Kritik des russischen Präsidenten Wladimir Putin an den Getreideexporten aus der Ukraine zugestimmt. "Putin hat Recht, das Getreide geht an reiche, nicht an arme Länder, und unser Ziel war es, die Lieferung von Getreide an die Armen sicherzustellen", sagte Erdoğan laut kroatischen Nachrichtenagentur Hina bei einer Pressekonferenz während seines Besuchs in Zagreb.
Erdoğan bezog sich damit auf Putins Kritik, dass das Getreide, das im Rahmen des unter Vermittlung der Türkei und der UNO unterzeichneten Abkommens aus der Ukraine exportiert wird, die ärmsten Länder nicht erreiche, was das eigentliche Ziel des Abkommens gewesen sei. "Solange die Sanktionen gegen Russland andauern, will Russland nicht, dass das Getreide an jene Länder geliefert wird, die Sanktionen verhängt haben. Das stört Putin", fügte Erdoğan laut Hina hinzu.
Nach Ansicht des türkischen Präsidenten sollte möglichst bald mit Getreidelieferungen aus Russland begonnen werden, damit ausreichende Mengen in die armen Länder gelangen. Erdoğan kündigte an, Ende September bei einem Regionalgipfel im usbekischen Samarkand mit Putin darüber zu sprechen.
Geteilter Meinung zu Wahlgesetz-Reform in Bosnien
Bei Erdoğans Besuch in Kroatien, letzter Stopp auf seiner Balkanreise, bei der er zuvor Bosnien-Herzegowina und Serbien besucht hatte, war auch die Reform des bosnischen Wahlgesetzes ein Thema. Erdoğan und der kroatische Präsident Milanović zeigten bei der gemeinsamen Pressekonferenz unterschiedliche Ansichten bei dieser Frage.
Erdoğan sagte, dass sich die Anführer der Bosniaken, Serben und Kroaten über die Änderungen des Wahlgesetzes einigen müssen, Milanović ist hingegen der Meinung, dass diese vom hohen Beauftragten der internationalen Gemeinschaft durchgesetzt werden sollten. Laut Milanović hat der Bosnien-Beauftragte Christian Schmidt bisher nichts getan. "Wenn er etwas tut, werde ich zufrieden sein. Das ist der Punkt, an dem sich ich und Präsident Erdoğan, Kroatien und die Türkei, unterschieden," sagte er laut Hina. Bosnische Kroaten und Zagreb fordern eine Reform des Wahlgesetzes, um zu verhindern, dass die Kroaten bei den Parlamentswahlen Anfang Oktober erneut von den Bosniaken überstimmt werden.
Erdoğan und Milanović nahmen zudem in Sisak, das rund 60 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt liegt, an der Eröffnung eines Islamisches Kulturzentrums mit Moschee teil. Das Zentrum, dessen Bau 2016 begonnen hat, ist nach Erdoğan benannt.
(APA)