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Ausstellung

Basquiat in der Albertina: So unheimlich alterslos

Auch auf Deutsch schrieb Basquiat in seine Bilder hinein, wohl auf Anregung seines Schweizer Galeristen Bruno Bischofberger: „Untitled (Infantry), 1983.[ Nicola Erni Collection/R. Pedrini Photography/Estate Basquiat]
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Ohne Hysterie wird hier einer der Großen der Kunstgeschichte als ganz zeitgemäß präsentiert. Ein seltener, teurer Gast in Wien. Als manischer Zeichner und mit seinem Interesse an Anatomie kommt er hier Schiele nah wie nie.

Seine Gosse war selbst gewählt – und das wohl nicht ganz ohne Berechnung: Mit 17 lief Jean-Michel Basquiat von der bürgerlichen Mutter weg, die ihn schon mit sechs Jahren als Junior-Member im Brooklyn Museum hatte einschreiben lassen. Um dann auf den Straßen New Yorks nicht nur zu schlafen, sondern sie auch künstlerisch und mythenbildend als Landebahn zu nutzen – direkt hinein in die so oberflächensüchtige wie abgründige US-Kunstszene der Achtziger. Andy Warhol wurde Mentor des ehrgeizigen jungen, noch dazu schwarzen Wunderkinds. Keith Haring und Francesco Clemente waren enge Freunde, eine aufstrebende Sängerin namens Madonna 1982 ein paar Monate lang seine blasse Prinzessin.

Was für eine Zeit! Jedenfalls war sie auch eine toxische: Warhol starb 1987, Keith Haring an Aids 1990 und Basquiat 1988, mit nur 27 Jahren, an einer Überdosis Heroin. Der frühe Tod sicherte ihm, wie auch Egon Schiele (es gibt erhellende Parallelen) den Nimbus des Künstler-Rockstars, bei dem die Biografie die Kunst nicht nur durchdringt (das wäre normal), sondern hintanstellt. Was Megaausstellungen wie „King Pleasure“ derzeit in New York noch verstärken. Auch die Rekordpreise von über 100 Millionen Dollar derzeit tragen nicht zu einem unbefangenen, frischen Sehen bei.