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Villa Egan am Fuße der Burg Bernstein im Burgenland.
Neue, alte Schätze

Holzöfen und Wald zum Heizen

Landhäuser und Herrenhäuser sind für manche in der Energiekrise besonders attraktiv.

Schön waren sie schon immer, plötzlich haben sie aber einen ganz neuen Stellenwert: Kachelöfen und Kamine in klassischen Land- und Herrenhäusern sowie der Wald vor der Tür. „Früher war das nie ein großes Thema, aber jetzt wird als Erstes nach dem Heizsystem gefragt – nicht, weil man es sich nicht leisten kann, sondern aufgrund der Energiekrise“, berichtet Siegbert Sappert, Mitglied der Geschäftsleitung bei Hendrich Immobilien. Zwar sei Öl auch früher nie besonders toll gewesen, Gas aber durchaus akzeptiert; und der Wald – sofern nicht in Eigenjagdgröße – eher ein Problemfall wegen des Borkenkäfers.

"Jetzt überlegt jeder, möglichst schnell auf Hackschnitzel umzusteigen, . . . "

Siegbert Sappert, Mitglied der Geschäftsleitung bei Hendrich Immobilien

Holzofen in der Küche

„Jetzt überlegt jeder, möglichst schnell auf Hackschnitzel umzusteigen, und der Wald ist wieder sehr geschätzt – denn für eine Hackschnitzelheizung eignet sich auch Holz mit Borkenkäferschäden gut“, weiß der Makler. Und wenn es noch einen alten Ofen in der Küche gibt, der sich mit Holz anheizen lässt, punktet dieser ebenfalls wieder und muss nicht mehr der neuen Designerküche im Landhausstil weichen.

Das klingt zwar grundsätzlich nach einer guten Sache für budgetstarke Immobilienkäufer, die sicher warm durch den Winter kommen wollen, allein: Der Markt ist mächtig ausgedünnt, und entsprechende Objekte sind schwer zu bekommen. „Es ist derzeit wenig auf dem Markt und wird viel gesucht, denn die Menschen wollen aufs Land“, berichtet Fridolin Angerer, bei Spiegelfeld Immobilien für den Bereich Forst, Land und Schlösser verantwortlich. „Dafür sind sie bereit, etwas weiter zu fahren als noch vor einiger Zeit, etwa bis an den Rand der Buckligen Welt, die bisher eher nicht im Fokus war“, erzählt der Makler.

"Manchmal reicht bei einer Besichtigung schon eine Fliege an der Wand, dass ein Objekt für jemanden nicht mehr infrage kommt."

Fridolin Angerer von Spiegelfeld Immobilien

Wobei nicht jeder, der sich das Landleben so idyllisch vorstellt, tatsächlich dafür geeignet ist, wie er hinzufügt. „Manchmal reicht bei einer Besichtigung schon eine Fliege an der Wand, dass ein Objekt für jemanden nicht mehr infrage kommt“, kennt er die Befindlichkeiten. So erinnert er sich an einen Kunden, für den er nach langem Suchen endlich das perfekte Objekt gefunden hat – um dann zu erleben, wie auf dem Weg dorthin dessen Lebensgefährtin in hohen Schuhen und Sommerkleid bereits beim Anblick des geschotterten Privatwegs zu dem Anwesen den Daumen senkte, weil Schotter in ihren Vorstellungen keinen Platz gehabt hat. „Die Dame hat gedacht, gleich hinterm Stachus fängt die Wildnis an“, zieht Angerer einen Münchner Vergleich heran und lacht.

Konkurrenz durch Entwickler

Um den derzeitigen Verkäufermarkt zu entlasten, reichen diese Kunden allerdings nicht aus, zumal die großen Grundstücke inzwischen nicht nur für Menschen interessant sind, die abgeschiedenes Idyll mit absoluter Privatsphäre suchen, sondern immer häufiger auch für Entwickler. Denn gar nicht wenige dieser Liegenschaften bestehen komplett aus gewidmetem Bauland, etwa, wenn einst ganze Ortschaften in Bausch und Bogen gewidmet wurden und das eben auch für das Landhaus mit dem großen Obstgarten galt. „In solchen Fällen arbeiten wir für unsere Kunden zwei Schienen der Vermarktung aus“, berichtet Sappert. Einmal als satte Villa mit viel Grün drumherum, das andere Mal als potenzielles Bauträgerobjekt. „Auf diesem Weg haben wir beispielsweise schon einmal ein großes Anwesen in Klosterneuburg an die Glorit verkauft“, so Sappert.

Wobei die Betonung auf „entweder/oder“ liegt, was manchem potenziellen Verkäufer in Zeiten wie diesen nicht immer leicht zu vermitteln ist. „Manche erwarten sich in der momentanen Lage, dass sie ihren ganzen Grund zu Baulandpreisen verkaufen können und die darauf stehende Villa ebenfalls zu ihrem vollen Wert“, berichtet Angerer. Was naturgemäß nicht geht, denn entweder muss die Villa weichen oder es bleibt der große Obstgarten als private Oase – die man dann aber nicht zu Baulandpreisen anbieten kann. „Denn da bezahlt man für die Privatsphäre. Bei solch einem großen Grund wird nur ein Anteil an Fläche als Bauland bewertet – etwa die Normalfläche der Villa plus ein Teil des Gartens. Was über diese rund 1500 Quadratmeter hinausgeht, aber nicht“, erklärt der Makler.

Derzeit in Vermarktung: Schloss Friedstein in der Region Dachstein-Schladming.
Derzeit in Vermarktung: Schloss Friedstein in der Region Dachstein-Schladming.[ Hendrich, Engel & Völkers]

Keine Fantasiepreise

Denn auch wenn derzeit die Verkäufer die Oberhand haben und nicht nur die Energiesituation, sondern die Angst vor der Inflation und der Wunsch nach sicheren Anlageformen diesen Markt ebenfalls weiter beflügeln, wird nicht blind alles gekauft, was viel Grund hat und im Grünen liegt.

"Die Leute wollen nicht über den Tisch gezogen werden."

Alexander Heim, Geschäftsführer von Engel & Völkers Salzburg



„Fantasiepreise werden in der derzeitigen Situation nicht erzielt – und wenn noch direkt unterhalb des Anwesens eine Schnellstraße vorbeiführt, braucht man Glück“, unterstreicht Sappert. Denn die Käufer sind heute so informiert wie nie zuvor, betont auch Alexander Heim, Geschäftsführer von Engel & Völkers Salzburg. „Natürlich ist jede Liegenschaft speziell, und obwohl viele dieser Objekte in der stillen Vermarktung sind, gibt es immer mehr Tools und Programme, mit denen Interessenten beispielsweise den Anfangspreis einer Liegenschaft checken können und dann denken ,Da stimmt was nicht‘, wenn dieser schon mehrmals reduziert wurde“, erklärt er das Risiko, das mit zu hohen Preisvorstellungen verbunden ist.

Landsitz im Salzkammergut
Landsitz im Salzkammergut[ Hendrich, Engel & Völkers]

Satte Preissteigerungen

Denn Verkäufermarkt hin oder her: „Die Leute wollen nicht über den Tisch gezogen werden“, betont Heim. Zumal bei den derzeitigen Preisen, denn diese sind in den vergangenen beiden Jahren mächtig in die Höhe gegangen, wie der Makler berichtet: „Mindestens im zweistelligen Bereich: bei A-Lagen um 20 bis 25, im Durchschnitt um 15 Prozent. Deshalb ist es wichtig, dass wir als Berater darauf hinweisen, was passieren kann, wenn man zu teuer auf den Markt geht. Und wir bemühen uns, die Erwartungen der Verkäufer auf dem Boden der Tatsachen zu halten.“

Eine Ausnahme bilden aber nach wie vor Anwesen mit einer Eigenjagd. Diese sind noch immer so begehrt, dass einige Augen zugedrückt werden, wenn die Möglichkeit besteht, die dafür nötigen 115 zusammenhängenden Hektar zu bekommen. „Dann ist die Immobilie, die darauf steht, fast sekundär, notfalls kauft man sich halt in der Nähe des Jagdreviers ein Haus“, meint Sappert. (sma)

Landhäuser

Vor gar nicht allzu langer Zeit waren sie eher verschmäht als begehrt, denn Barcelona und New York hatten der Buckligen Welt und dem Salzkammergut als Wochenendziele klar den Rang abgelaufen. Doch mit dem Aufkommen der Flugscham, der Covid-Pandemie und jetzt der Energiekrise haben die schnell erreichbaren Idyllen mit Kachelöfen und Eigenwald eine deutliche Aufwertung erfahren. Entsprechend ausgedünnt ist momentan der Bestand.