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Theater

„King Charles III.“: Wenn die Wirklichkeit die Kunst imitiert

2014 nahm Mike Bartlett mit einem Theaterstück eine akute Frage vorweg: Was, wenn der neue König zu viel Gefallen an seiner Krone findet?

Ein Chor singt. Der Trauerzug von Königin Elizabeth II. zieht vorüber.“ Mit dieser Regieanweisung beginnt Mike Bartletts Theaterstück „King Charles III.“, am 3. April 2014 im Londoner Almeida Theatre uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Der neue König hat das Staatsbegräbnis seiner Mutter hinter sich, „ein tugendhafter Mann von Würde und Anmut / Steinern unbeweglich, unergründlich“, lobt ihn seine Gattin Camilla. Nicht doch, weist er sie zurück, seine Eltern, „zuerst Dad, nun Mom“, sind weg, „die einzige Wahrheit: Ich bin allein.“

Doch dieser König Karl will nicht bloß Grüßaugust sein. Er hat Ideen, Prinzipien. Und gleich das erste Gesetz, das ihm sein Premierminister, Mister Evans, zur Unterzeichnung vorlegt, missfällt ihm enorm: Der legendären britischen Pressefreiheit sollen, im Lichte zahlreicher Grenzüberschreitungen der Klatschblätter, mit dem Strafrecht Grenzen gezogen werden. Charles ziert sich mit dem Federstrich, den seine Mutter stets so kommentarlos führte, ja: Je länger er mit Evans und dem konservativen Oppositionsführer Stevens diskutiert, desto klarer wird sein Entschluss. Er verweigert die Unterschrift. Als ihm die Regierungsmehrheit per Gesetz die Beteiligung an der Gesetzgebung entziehen will, droht er mit der Entlassung des Kabinetts, worauf Unruhen zwischen Royalisten und Republikanern das Vereinigte Königreich erschüttern. Doch dies ist keine Tragödie in Blankversen, das dicke Ende bleibt den Briten erspart, denn Sohnemann William und seine ebenso machtbewusste wie schlaue Gattin Kate nehmen die Dinge in die Hand – und mit dem Rückenwind der Massenmedien, die ihre jugendhafte Glattheit lieben, drängen sie Charles zur Abdankung. Und zwar mit emotionaler Erpressung: Er würde seine Familie, vor allem seine Enkelkinder nicht mehr sehen. „Es ist vollbracht, der König ist an einem Ende“, klagt Charles im Schlussakt. „Ich werde mich ins Bett zurückziehen / Und wenn ich erwache, in neuem Morgengrauen / Bin ich einfach ein vergessener, alter Gärtner / Der herumwerkelt, mit Pflanzen redet / Und in sich hinein kichert.“

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