Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Literatur

Wau! Keckmeck! Miau! - Wenn Tiere auf die Barrikaden gehen

Eines Tages saß ein Eichhörnchen auf dem Balkon. Ulla Hahn in ihrem Garten.
Eines Tages saß ein Eichhörnchen auf dem Balkon. Ulla Hahn in ihrem Garten.[ Foto: Georg Wendt/dpa/Picturedesk]
  • Drucken

Wo Bob Dylan und Friedrich Schiller gemeinsam auf der Bühne stehen und ein Eichhörnchen als weltrettender Bildungsbürger den Menschen die Leviten liest: „Tage in Vitopia“ von Ulla Hahn.

Erzählungen aus der Sicht von tierischen Protagonisten blitzen hin und wieder auch in der Erwachsenenliteratur auf. Von Hoffmanns ziemlich eitlem Kater Murr über Kafkas wortgewaltigen Affen Rotpeter bis zu Köhlmeiers viellebigem Kater Matou zeichnen sie sich dann meist durch ein erstaunliches Wissen und eine umfassende Allgemeinbildung aus, was einen bewundernd, wenn nicht gar neidvoll, mit dem Buch in der Hand zurücklässt. Das gelingt auch dem neuesten Bewohner des literarischen Kosmos, Wendelin Kretschnuss – einem Eichhörnchen mit enormem Bildungshunger und rasanter Auffassungsgabe –, das der Schriftstellerin Ulla Hahn seine Beobachtungen, zusammengefasst unter dem Titel „Tage in Vitopia“, diktiert hat.

Vitopia ist, im Gegensatz zu Thomas Morus' Utopia, dem bekannten Nicht-Ort, ein realer Ort in Griechenland, genauer das Stadion von Epidauros, an dem Tiere, Menschen (hier Animals und Humans genannt), literarische Figuren, Fabelwesen und die ganze verstorbene Prominenz der Weltgeschichte (angefangen beim Ehepaar Echnaton/Nofretete und endend bei lebenden Personen wie Bob Dylan oder Mitgliedern der Band Kraftwerk) zu einem Kongress zusammenkommen, um die Rettung der Welt zu besprechen und Exit-Strategien aus dem Katastrophenszenario, in das die Menschheit die Welt manövriert hat, zu entwickeln. Sogar künstliche Intelligenz und Maschinenwesen halten ihre teils moralisierenden Reden. Ein Aufmarsch des Who's Who der gesamten Weltgeschichte – für dieses ungeheure Unternehmen braucht es natürlich alle Kräfte, die zu kriegen sind.

 

Venus' Botschaft aus dem Weltall

War die „Konferenz der Tiere“ im Jahr 1949 (aufgezeichnet von Erich Kästner) noch dem Thema „Weltfrieden“ gewidmet und in weiterer Folge der Rettung der Menschenkinder, geht es jetzt tatsächlich ums Ganze, schlicht um das Überleben aller Lebewesen, einschließlich des Menschen, auf der geplagten Erde, die als Urgöttin Gaia auch einen Auftritt während des Kongresses hat, und die sich in einer Art Selbstheilungsprozess mit Klimaumwälzungen und Naturkatastrophen von der Krankheit Mensch zu befreien sucht. „Ihr macht mich krank!“, so Gaias verzweifelter Ausruf.