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Expedition Europa

Ein Franzose auf der Suche nach der Wahrheit

(c) IMAGO/NurPhoto (IMAGO/Serhii Hudak)
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Mein französischer Reisekollege misstraut den Berichten über die Ukraine. Er wollte sich selbst ein Bild machen und betrat das Land im Kriegszustand zum ersten Mal.

Ich lernte diesen revoltierenden Franzosen kennen, als er mich im August über einen slowakisch-ukrainischen Grenzübergang mitnahm. Die französischen Journalisten würden „lügen, lügen, lügen“, schimpfte er in seiner aufgebrachten Art los, insbesondere der Berichterstattung über den Ukraine-Krieg misstraute er. Er war in seinem Geländewagen aufgebrochen, „um die Wahrheit zu finden“. Ich war vierzigmal in der Ukraine gewesen, er betrat das Land im Kriegszustand zum ersten Mal.

Er reiste ohne Plan, ungefähr dem guten Wetter folgend, im Sommer durch Osteuropa, im Herbst dann vermutlich Richtung Indien runter. Er war ein schlanker kerniger Typ, der nach Mitte 50 aussah, bei Abnahme seines schmalkrempigen Hütleins nach Ende 70. Er lebte im Jeep. Obwohl er wirkte, als würde er im nächsten Moment den Grenzbalken überfahren, schlossen ihn Grenzerinnen und Grenzer ins Herz. Die rückwärtigen Türen seines Jeeps wurden von einer Holzstange zusammengehalten, an deren oberen Ende ein kleiner Feuerlöscher montiert war, und auf dem Dach war ein Kunststoffgehäuse von der Größe eines Zwei-Personen-Sargs befestigt. Diese Schlafschale, in der er gar nicht schlief, pflegte Zollbeamte in einer Weise zu hypnotisieren, dass sie den Rest des Wagens nicht mehr untersuchten.