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Unterwegs

Autoverstopft

Weder Pandemie noch Klimakrise haben gewirkt: Der Anteil der Firmenautos in Belgien steigt und steigt.

Gern nähme ich Sie heute mit auf eine Reise durch Zitronenhaine, an Küstenstraßen über schäumender Gischt entlang bis zu adlerumkreisten Höhen, doch leider beschränkt sich meine Reisetätigkeit nach dem Ende der Sommerferien auf die Durchquerung Brüssels, mit den Zielorten Schule, Europäische Institutionen, Supermarkt, Bäcker, Fleischhauer, Buchgeschäft.

Glücklicherweise wohnen wir nahe an Tramway und Bus, zudem bin ich gut zu Fuß, denn müsste ich diese Wege mit einem Auto zurücklegen, wäre ich spätestens eine Woche nach Schulbeginn seelisch ungefähr dort, wo Michael Douglas' Figur im Spielfilm „Falling Down“ zehn Minuten vor Ende ist. Brüssel erstickt im Autoverkehr, und das Groteske daran ist, dass nicht einmal die Brüsseler selbst die Hauptschuld daran tragen. Denn der meiste Verkehr entsteht durch all die Berufspendler, die aus den beiden benachbarten Provinzen Vlaams-Brabant und Brabant-Wallon täglich hereinströmen.

Die Kollegen der Tageszeitung „De Standaard“ haben dieser Tage eine interessante Landkarte veröffentlicht, auf der zu sehen ist, dass unmittelbar außerhalb der Grenzen Brüssels der Anteil der Firmenautos rasant steigt. Zur Erinnerung: In Belgien können Unternehmen ihren Arbeitgebern statt hoch zu versteuernder Gehaltserhöhungen steuerfreie Firmenautos anbieten. Man möchte nun hoffen, dass Pandemie und Klimakrise zu einem Umdenken geführt haben. Doch nein: Von Anfang 2019 bis Mitte 2022 stieg der Anteil der Firmenautos in ganz Belgien von 23,4 auf 25 Prozent – und nur im autoverstopften Brüssel sank er.

oliver.grimm@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2022)