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Kulturerbe

Mit diesen zwei macht es Spaß, Grenzen zu queeren

Biennale-Vertreterinnen Knebl, Scheirl.(c) APA / Hochmuth
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Sie haben eine atemberaubende Karriere hingelegt: Niemand in der Kunst präsentiert Österreich zurzeit prominenter als Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl.

Es gibt eindeutig eingängigere Namen und eindeutig eingängigere Themen als die von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl. Dennoch haben die beiden solo wie auch als Duo in den vergangenen Jahren eine atemberaubende Karriere hingelegt. Eine Sichtbarkeit und populäre Breite erlangt, von der die in ganze Europa bekannte, rege queere Wiener Kunstszene bislang nur träumen konnte. Was sicher mit der unbeschwerten Ästhetik ihrer Kunst, aber auch den einnehmenden Persönlichkeiten dieser so unterschiedlichen Künstlerinnen zusammenhängt, die im Lauf ihres Leben beide auch schon einmal die Bezeichnung Künstler bevorzugten.

Wenn sich dabei bei Ihnen jetzt die Nackenhaare zu kräuseln beginnen, passen Sie genau ins Beuteschema: Mit ihren gemeinsam ersonnenen, sinnlichen „Begehrensräumen“ aus Malerei, Skulptur, Mode, Design, Video und vielen darin herumtollenden Körperteilen wollen Knebl/Scheirl die Menschen spielerisch dazu verführen, sich über die traditionellen (Geschlechter-)Grenzen hinauszubewegen. Derzeit im Österreich-Pavillon der Biennale Venedig. 2021 im Kunsthaus Bregenz. 2019 bei der Biennale Lyon. 2023 bespielen sie als erste österreichische Künstler das ganze Palais de Tokyo in Paris, eine der begehrtesten Einladungen, die man in der Kunstszene überhaupt bekommen kann.

Begriffe wie queer oder transgender seien dabei wenig hilfreich, findet Knebl, mittlerweile Professorin auf der Angewandten. „Da glauben viele gleich, das hat mit ihnen nichts zu tun. Dabei geht es bei Queerness um Veränderungen für alle. Nicht nur um Geschlecht, auch um den Wechsel gesellschaftlicher Klassen etwa.“ Bewusst niederschwellig legt Knebl diese Wissensvermittlung an: „Ich sehe mich als Trickster, indem ich Leute in etwas hineinstolpern lasse, ohne ihnen gleich einen Begriff dafür zu liefern, von dem sie sich distanzieren können.“ Dabei frönt sie in ihren bunten Installationen ausgelassen ihrem Faible für das Design der Siebzigerjahre, habe sich damals, sagt sie, doch derart viel Richtungsweisendes ergeben.

„Vieles davon hat starke Auswirkungen aufs Heute: vom PC über Ideen der Gleichberechtigung bis zu einem Therapie-Boom und dem Aufkommen der Singularitäten“, sagt Scheirl. War Knebl damals ein Baby in Baden, hat Scheirl, 1956 in Salzburg geboren, diese Zeit mittendrin, als Filmemacher in London, erlebt. Der Film „Dandy Dust“ ist Kult. Und lockte auch viele Studierende nach Wien, als Scheirl 2006 eine Malerei-Professur an der Akademie bekam, als eine der ersten Transprofessorinnen Europas. 2017 war sie mit ihren Bildern bei der Documenta 14 vertreten, parallel zu ihren Kooperationen mit Knebl geht Scheirl dabei selbst immer weiter Richtung Raum, Installation.

2019 nahmen sie als Duo den größten Raum überhaupt ein, den man in Wien bekommen kann: Ein Bild von den beiden, mit rotem Stoff zur Silhouette eines einzigen queeren Über-Monsters verschmolzen, verhüllte den Rathausturm. Ohne Stil und Humor geht es bei den beiden nie. Aber auch nicht ohne ernsten Hintergrund.

Das Voting für „Österreicher:innen des Jahres“ finden Sie unter: www.diepresse.com/austria22