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Erfolg

Unterschiedliche Nachbarn, bestes Einvernehmen!

Unter der Leitung von Eva Komarek diskutierten Magnus Brunner und Daniel Risch (2. von links). Simon Tribelhorn (rechts) eröffnete den Finanz-Talk.
Unter der Leitung von Eva Komarek diskutierten Magnus Brunner und Daniel Risch (2. von links). Simon Tribelhorn (rechts) eröffnete den Finanz-Talk.(c) Roland RUDOLPH
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Erfolg. Liechtenstein behauptet sich am internationalen Parkett, indem es innovative Initiativen setzt.

Im Rahmen der Finanztalk-Serie luden vorige Woche „Die Presse“ und Liechtenstein Finance zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde zum Thema „Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Liechtenstein und Österreich“ ins Wiener Haus der Musik. Vor zahlreichen Experten aus der Finanzwirtschaft eröffnete Simon Tribelhorn, Präsident von Liechtenstein Finance, die Veranstaltung. Er stellte Liechtenstein Finance als privatrechtlich organisierten Verein vor, zu dessen Mitgliedern die Regierung des Fürstentums und alle liechtensteinischen Finanzplatzakteure zählen. Dessen Aufgabe ist es, über den Finanzplatz Liechenstein zu informieren und wechselseitige Beziehungen zu fördern.

Es lag in der Folge an Liechtensteins Regierungschef Daniel Risch mit seiner kurzweiligen Präsentation die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Nachbarstaaten herauszuarbeiten. Die lange Geschichte verbinde, beide Länder seien aus dem gleichen Holz geschnitzt, erklärte er. Im Vergleich zu Liechtenstein sei Österreich in vielerlei Hinsicht ein Riese: So übertrifft die Einwohnerzahl Österreichs jene von Liechtenstein um das 225-fache. Bei 40.000 Einwohnern bietet Liechtenstein allerdings 41.000 Arbeitsplätze, allein 9000 Vorarlberger pendeln ins Fürstentum werktäglich zur Arbeit. Das Land weist einen hohen Ausländeranteil auf, einen liechtensteinischen Binnenmarkt gebe es nicht, was eine internationale Ausrichtung so erfolgreicher Konzerne wie beispielsweise Hilti oder Hoval erfordere. Risch betonte, dass sein Land das Image eines Steuerparadieses abgelegt habe und seit 15 Jahren eine Weißgeldstrategie erfolgreich umsetze.

Volatiler Energiesektor

Im Anschluss an sein Impulsreferat nahm Risch auf Einladung von Moderatorin Eva Komarek (Styria Media Group) gemeinsam mit Österreichs Finanzminister Magnus Brunner am Podium Platz. Komarek wollte zunächst mehr darüber wissen, wodurch sich die Länder unterscheiden. Gibt es bei der liechtensteinischen Wirtschaft die ausschließliche Konzentration auf den internationalen Markt, hob Brunner – neben der Exportorientierung der österreichischen Betriebe – auch die regionale Verwurzelung der Landwirtschaft und der Unternehmen hervor. Die Diskutanten waren sich einig, dass die zurzeit herrschende Volatilität am Energiesektor beiden Ländern zu schaffen mache. Das betrifft sowohl die preisliche Entwicklung als auch die Versorgungssicherheit. Laut Brunner müssen als Folge dessen Staaten intervenieren, was extrem viel Geld kostet. Für Risch ist die Herausforderung eine andere: „Um die Versorgungssicherheit mit Gas zu gewährleisten, haben wir Speicherplatz in österreichischen Gasspeichern eingekauft“, betonte der liechtensteinische Regierungschef.

Ungeliebte Mindeststeuer

Mit der Einführung eines globalen Mindeststeuersatzes von 15 Prozent ab 2023 (statt wie bisher in Liechtenstein übliche 12,5 Prozent) sei das Fürstentum nicht sehr glücklich, das Land stehe für Steuerwettbewerb. Risch: „Wenn dieser Mindeststeuersatz für alle gelten soll, dann tragen wir das natürlich mit.“ Brunner verwies auf die Erfolge Österreichs, eine Digitalsteuer als Vorbote für eine internationale Lösung einzuführen. Die diesbezüglichen Steuereinnahmen entwickeln sich sehr positiv, sie hätten ein höheres Volumen als erwartet.

Die Moderatorin wollte in der Folge von Risch wissen, welche Erfahrungen Liechtenstein mit dem Blockchaingesetz habe, das 2019 eingeführt wurde. Der Regierungschef erklärte, dass das Fürstentum mit diesem Gesetz das erste Land war, in dem Token Rechtsicherheit verliehen wurde. Token sind übertragbare Informationen, beispielsweise über Eigentum, auf einer dezentralen Datenbank, der Blockchain. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit dieser innovativen Gesetzgebung gemacht“, betonte Risch. Für Brunner sollte so ein Gesetz auf EU-Ebene geschaffen werden, es wäre eine „klassische länderübergreifende Aufgabe“.


Die finale Fragerunde behandelte den Bereich ESG (Environment, Social, Governance), konkret wie attraktiv grüne Veranlagungen für Investoren wären. Brunner merkte an, dass auch von privater Seite Geld zur Bekämpfung des Klimawandels investiert werden müsse. Österreich habe mit der Ausgabe von Green Bonds in der Höhe von vier Mrd. Euro (sechsfach überzeichnet) erfolgreich einen eigenen Weg beschritten, da auf EU-Ebene die Taxonomie auch Atomkraft als grün aufliste, was für Brunner nicht in Frage käme. Risch wiederum hob im Rahmen von ESG die FAST-Initiative (Finance Against Slavery and Trafficking) Liechtensteins hervor, weil das Fürstentum eine große Expertise im Aufdecken von Geldflüssen aufgebaut habe. Für beide Staaten gelte, auch als kleine Länder die Stimme zu erheben, Argumente begründet einzubringen und Verbündete zu suchen, dann werde man auch gehört werden.

INFORMATION

Liechtenstein Finance e.V.
Äulestrasse 30
LI-9490 Vaduz

Tel. +423 239 63 20
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