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Erbschaftssteuer

Königliches Millionenerbe geht steuerfrei an König Charles

Der Monarch ist von der Steuerpflicht ausgenommen.
Der Monarch ist von der Steuerpflicht ausgenommen.REUTERS (POOL)
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Der Monarch erbt viel - und steuerfrei. Das, obwohl in England die Erbschaftssteuer gilt. Warum dem so ist, und wie auch Prinz William nun sehr viel reicher geworden ist.

Während in Österreich immer wieder über die Erbschaftssteuer debattiert wird, geht diese im Vereinigten Königreich, in ihrer modernen Form, auf das Jahr 1894 zurück. Dazumal hatte man eine Steuer auf den Kapitalwert von Grundstücken eingeführt, ein Staatsdefizit von vier Millionen Pfund musste beglichen werden. Die heutige „Inheritance Tax“ wird fällig, wenn der Nachlass einer Person - Eigentum, Geld und Besitztümer - zum Zeitpunkt des Todes mehr als 325.000 Pfund, etwa 375.000 Euro, wert ist. Der Steuersatz beträgt dann 40 Prozent auf all jenes, was über dem Schwellenwert liegt. Auf 36 Prozent kann er gesenkt werden, wenn mindestens zehn Prozent des Nachlasses wohltätigen Zwecken zukommt. Ganz wegfallen kann er, wenn man König (oder Königin) ist, so wie nun Charles III.

Mit dem Tod seiner Mutter, Queen Elizabeth II., erbt er ein Millionenvermögen, deutlich über dem Schwellenwert. Die königliche Familie ist kaum verpflichtet, Einzelheiten ihres Reichtums offenzulegen, die Kommunikation der royalen Familie mit der Regierung ist von Anträgen auf Informationsfreiheit ausgenommen. Aus Finanzberichten ging jedoch zuletzt ein Wert von 650 Millionen Pfund, umgerechnet etwa 750 Millionen Euro, hervor. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schrieb von einem Nettovermögen von rund 430 Millionen britischen Pfund (etwa 500 Millionen Euro), von der „Sunday Times“ wurde die Queen 2022 als einer der reichsten Menschen Großbritanniens gelistet, mit einem Vermögen von 430 Millionen Euro. Wie viel auch immer es sein mag, versteuern muss Charles davon nichts. Anders gesagt: „God has saved the King“ von der 40-prozentigen Erbschaftssteuer, schreibt etwa ein britisches Medium zynisch.

Die Besteuerung entfällt von „Souverän zu Souverän“. Zu verdanken hat der Monarch das dem ehemaligen Premierminister John Major, auf ihn geht die 1993 eingeführte Klausel zurück. Es hieß, dass ansonsten die Gefahr bestehe, dass das Vermögen der Royal Family über Generationen hinweg zerstückelt würde. Damit würde die Natur der Institution „in einer Weise verändert, die nur wenige Menschen in diesem Land begrüßen würden“. Zwanzig Jahre später, in einer Vereinbarung von 2013, liest man ähnliches. Eine Besteuerung wäre demnach „eindeutig unangemessen“, da die Vermögenswerte von der Königin als Souverän und nicht als Privatperson gehalten würden. Die Monarchie benötige ausreichende Ressourcen, um ihre Rolle zu erfüllen und finanziell unabhängig von der Regierung zu sein. Jenes Erbe der Queen, das nicht an den Souverän geht, muss von den jeweiligen Personen versteuert werden.

Öffentlicher Druck

Eingeführt wurde die Befreiungsklausel ein Jahr nach dem großen Brand auf Schloss Windsor, 1992, der ohnehin schon eine Debatte losgetreten hatte, wer denn für die Reparaturkosten aufkommen würde. Wohl auch deshalb hatte die Queen im selben Jahr noch zugesichert, freiwillig Einkommen- und Kapitalertragsteuer zu zahlen. Auch von dieser ist eine Monarchin oder ein Monarch nämlich gesetzlich befreit. Noch als Prinz erklärte Charles, dass er seiner Mutter nacheifern würde, er zahlte schon damals, der „Washington Post“ zufolge, eine freiwillige Einkommenssteuer von 45 Prozent auf seine persönlichen Einkünfte aus dem Herzogtum Cornwall. Als Monarch bestätigt hat er das bis dato nicht, erwartet wird es aber allemal.

Fragezeichen rund um den Finanzstatus der Royals gibt es trotz der freiwilligen Zahlungen auch heute noch. Anfang des Jahres wurde der damalige Prinz Charles beschuldigt, einem saudischen Staatsbürger als Antwort auf eine Spende an seine Wohltätigkeitsstiftung Hilfe bei der Erlangung des Ritterschlags angeboten zu haben. Vertreter von Charles bestritten jegliche Vorwürfe. Auch als Prinz Andrew, ein anderer Sohn Elizabeths, einen Rechtsstreit durch eine außergerichtliche Lösung mit einer Frau beigelegt hatte, die er mutmaßlich im Alter von 17 Jahren sexuell missbraucht haben soll, kamen Fragen darüber auf, woher das Geld kam. Der Mangel an Transparenz gilt als immer wiederkehrende Kritik, auch abseits anti-monarchischer Gruppen.

Das Crown Estate ist wohl der imposanteste offizielle Besitz der royalen Familie, es umfasst prächtige Londoner Immobilien im Wert von umgerechnet etwa 19,2 Milliarden Euro. Formell ist es im Besitz der Familie, es untersteht jedoch der britischen Regierung, diese erhält demgemäß Hunderte Millionen jedes Jahr. Ein Viertel des gesamten Gewinns ist an die Familie zurückzuzahlen, in Form des „Sovereign Grant“. Der offizielle Finanzbericht des Königshauses belief sich im vergangenen Jahr, der „Washington Post“ zufolge, auf etwa 99 Millionen Euro. Verwendet wird dies vorrangig für die Instandhaltung der Paläste. Nicht darin enthalten: Die beträchtlichen Summen an Sicherheitskosten der Royals, diese werden aus der britischen Staatskasse bezahlt.

Was Charles bekommt

Der regierende Monarch erhält automatisch die Kontrolle über das Herzogtum Lancaster, dazu gehören weitläufige Ländereien vor allem in Mittelengland, aber auch Unternehmen in London. Dessen Wert wird auf etwa 950 Millionen Euro geschätzt. 27 Millionen Euro Gewinn wurde damit im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Wie genau der Nachlass auf die einzelnen Familienmitglieder aufgeteilt wird, abseits des Herzogtums Lancaster, ist nicht bekannt. Das Testament der Queen wurde nicht veröffentlicht. In seiner ersten Rede bestätigte König Charles letzte Woche jedenfalls, dass er seinen bis dato eigenen Besitz, das Herzogtum Cornwall, ganz traditionell an seinen ältesten Sohn, Prinz William, weitergegeben habe. Dieses umfasst einen noch größeren Grundbesitz als das Herzogtum Lancaster, der Gewinn ist mit 23 Millionen Euro aber etwas niedriger. Wert ist das Herzogtum aber immerhin über eine Milliarde Euro, Prinz William ist damit sehr viel reicher geworden.

Vom „Sovereign Grant“ wird man auch künftig nicht absehen, das bestätigte der neue Monarch, indem er versprach, „die Tradition der Abtretung der erblichen Einkünfte“ aus dem Crown Estate im Gegenzug für diesen fortzusetzen. König Charles III. will Berichten britischer Zeitungen zufolge die Monarchie grundsätzlich etwas „verschlanken“. So sollen etwa weniger „hochrangige Royals“ an öffentlichen Auftritten beteiligt sein, der „Guardian“ berichtete auch über Personalkürzungen. Mehrere Dutzend langjährige Angestellte des neuen britischen Königs müssen demnach um ihre Jobs fürchten. Per Brief sollen die Betroffenen in dieser Woche verständigt worden sein, dass mit Charles' Thronbesteigung etliche bisherige Posten wegfallen. Auch hatte der frische Monarch davon gesprochen, mehr königliche Besitztümer der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das würde wiederum zu mehr Einnahmen im Königshaus führen.

(apa/evdin)