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Servus-TV-Chef Wegscheider: "Die linke Twitter-Blase in Wien"

++ HANDOUT ++ SERVUSTV WILL BEI SPORTRECHTEN WEITER MIT DEM ORF KOOPERIEREN
Der ORF solle wieder auf zwei TV-Sender reduziert werden, findet Servus-TV-Chef Ferdinand Wegscheider(c) APA (SERVUSTV)
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Weil Servus TV im Verdacht steht, gegen das Objektivitätsgebot verstoßen zu haben, läuft ein Verfahren bei der Medienbehörde. Für den Senderchef ist die Debatte aus "einer eigenen künstlichen Welt".

Gegen den Privatsender Servus TV läuft ein Verfahren bei der Medienbehörde KommAustria, konkret ist es Servus-TV-Chef und Corona-Maßnahmengegner Ferdinand Wegscheider, der den Sender mit seinem Wochenkommentar "Der Wegscheider" in die Bredouille brachte. Wegen Verletzung des Objektivitätsgebots ermittelt die KommAustria, Servus TV könnte sogar seine Lizenz verlieren. Dem Sender wird die Verbreitung von Verschwörungstheorien vorgeworfen, Kritiker bemängelten auch eine einseitige Einladungspolitik bei Talk-Formaten und eine Schlagseite bei Corona-Dokus und Corona-News. Wegscheider selbst wies die Kritik im Gespräch mit der APA zurück. "Es ist sehr hilfreich und aufschlussreich zu schauen, wer so was sagt", sagte der Senderchef. Solche Reaktionen kämen vor allem von "der linken Twitter-Blase in Wien".

"Das ist eine eigene künstliche Welt", so Wegscheider. "Wenn man zu den Leuten raus geht, dann bekommt man ein völlig anderes Bild von der Realität." Servus versuche diese Realität abzubilden. "Wenn es vor der KommAustria juristisch und sachlich sauber läuft, ist nichts zu befürchten."

Kopiert ORF III Servus TV?

Hart ins Gericht ging der Intendant mit der heimischen Medienpolitik. "Ich erwarte mir seit mehr als 30 Jahren, dass sie endlich etwas dafür tut, um in Österreich einen dualen Medienmarkt zu ermöglichen. Den gibt es immer noch nicht zu 100 Prozent." Dem ORF warf Wegscheider - trotz des inzwischen entspannteren Verhältnisses - vor, ORF III zum Teil dafür zu nutzen, um gegen ServusTV zu programmieren und erfolgreiche Formate aus der Heimatschiene zu kopieren.

Der ORF sollte deshalb auf zwei TV-Kanäle verkleinert werden, das sei nicht von ungefähr ursprünglich so dimensioniert gewesen, so Wegscheider. Die Rundfunkgebühren könnten bleiben, dafür sollten Privatsender zu marktüblichen Preisen Zugang zum ORF-Archiv erhalten. Da sei man aber "schon in einer guten Richtung unterwegs, da waren die Fronten schon mal verhärteter". Wegscheider ortet bei der ORF-Führung "wachsende Bereitschaft zur Kooperation".

Bei Sportrechten setzt man auf Kooperation mit dem ORF

Kooperiert wird bereits bei Sportrechten – und das soll auch so bleiben. Derzeit gibt es eine Zusammenarbeit bei der Formel 1. Bei der Fußball-WM im Herbst sowie der Fußball-EM 2024 teilt man sich Spiele. "Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie nach vielen Jahren der Nichtkooperation in diesem kleinen Land Zusammenarbeit doch beispielgebend funktionieren kann", so der Servus-TV-Chef.

Sportereignisse wie die Formel 1 oder die Fußball-Champions League waren zuletzt der Treiber der positiven Quotenentwicklung bei Servus TV. Der Sender erreicht inzwischen einen Marktanteil von mehr als vier Prozent. "Aber auch an Tagen und Wochenenden ohne große Sportereignisse entwickelt sich der Sender nach oben. Das liegt an unseren fiktionalen Eigenproduktionen, an Vorabend-Formaten wie 'Servus am Abend', den Nachrichten und Quizsendungen", so Wegscheider. Als nächsten Schritt will man nun die "Lücke am Nachmittag" schließen und in der Daytime investieren.

Digitaler Wintersportkanal geplant

Im Digitalbereich plant man einen Wintersportkanal und hat dafür vom Österreichischen Skiverband Highlight-Rechte erworben. "Für Servus TV On ist das ein absoluter Bringer", meinte Wegscheider. Bis Ende August hatte die Plattform 35 Millionen Video-Views, ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Geht es nach Wegscheider, sollen die gut funktionierenden Sportrechte verlängert werden. "Aber natürlich sind Sportrechte kein Wunschkonzert. Da müssen schon auch die Relationen passen, was die Preisentwicklung für die Lizenzen betrifft."

Denn mit Werbung ließen sich die Programminvestitionen nur auf Österreich bezogen nicht refinanzieren. Gedacht wird deshalb beim Sender mit der Perspektive Deutschland, Österreich, Schweiz. Ab kommenden Jahr startet man in Deutschland mit Eigenproduktionen. Der Vorabend soll in Kooperation mit Springers Welt TV mit Magazinen und News bespielt werden. "Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Servus TV", so Wegscheider.

"Der Eigentümer macht die Ansagen"

Servus-TV-Eigentümer und Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz sei mit der Entwicklung seines Senders jedenfalls zufrieden, versicherte Wegscheider. Wie hoch das langfristige Commitment zum Sender aus dem Eigentümer-Kreis in der nächsten Mateschitz-Generation ist, will Wegscheider nicht beantworten. "Mein Selbstverständnis als Senderchef ist, dass der Eigentümer die Ansagen macht und nicht ich. Ich habe ein sensationell motiviertes Team, und es gibt hier einen besonderen Spirit, um den uns viele beneiden. Mich darum zu kümmern, das ist meine Aufgabe bei Servus TV."

(APA/Red.)