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Gastkommentar

Wenn Parteien völlig aus der Spur geraten

(c) Peter Kufner
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Vor den Zwischenwahlen im November ist die Politik in den USA von einer tiefen Polarisierung gekennzeichnet, wobei die Republikaner immer weiter nach rechts und die Demokraten immer weiter nach links rücken.

DER AUTOR

Daron Acemoğlu (*1967 in Istanbul) ist Professor für Ökonomie am MIT und Co-Autor der gemeinsam mit James A. Robinson verfassten Bücher „Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut“ und „Gleichgewicht der Macht: Der ewige Kampf zwischen Staat und Gesellschaft“ (beide Deutsch beim S. Fischer Verlag).

Obwohl es in der Politik keine in Stein gemeißelten Gesetze gibt, zeigen sich in den USA zwei Tendenzen: der Stimmungsumschwung gegen die regierende Partei bei den Zwischenwahlen („Midterm-Blues“) und die negativen Folgen von Inflation und Arbeitslosigkeit auf die Wahlen („politische Konjunkturzyklen“). Insofern sollten sich US-Präsident Joe Biden – dessen Zustimmungswerte gesunken sind – und die Demokraten nicht wundern, wenn sie bei den diesjährigen Zwischenwahlen eine Schlappe einstecken müssen.

Andere, lang akzeptierte politische Gewissheiten sind inzwischen jedoch über Bord geworfen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man jahrzehntelang davon aus, dass der Wettbewerb zweier Parteien innerhalb eines Mehrheitswahlsystems mäßigende Wirkung entfaltet. Das berühmte, ursprünglich vom Ökonomen Duncan Black und später vom Politikwissenschaftler Anthony Downs aufgestellte „Medianwählertheorem“ besagt, dass eine Partei, die sich zu weit von der politischen Mitte entfernt, bei den Wahlen dafür büßen wird.