Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Morgenglosse

Zwei gegen den Westen

APA/AFP/SPUTNIK/ALEXANDR DEMYANC
  • Drucken
  • Kommentieren

Wladimir Putin und Xi Jinping wollen nun eine neue Ordnung schaffen, nach ihren eigenen Regeln. Ein Schulterschluss, von dem beide profitieren, wirtschaftlich und politisch.

Die mächtigen Staaten Russland und China, Seite an Seite, vereint gegen den Westen: Das sollte die Botschaft sein, die Wladimir Putin und Xi Jinping bei ihrem Treffen am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) in Samarkand, Usbekistan, zu vermitteln versuchten. Es war das erste Treffen der beiden seit Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sie wollen nun eine neue Ordnung schaffen, nach ihren eigenen Regeln. Peking werde mit Moskau zusammenarbeiten, um „Stabilität und positive Energie in eine chaotische Welt" zu bringen, sagte Xi. Man soll es wohl als Kampfansage verstehen.

Klingt ja auch gut. Schon vor Monaten haben die beiden Herren offiziell ihre „grenzenlose Freundschaft“ besiegelt. Ein Schulterschluss, von dem beide profitieren, wirtschaftlich und politisch. Deshalb hat sich Xi gehütet, Russlands Angriffskrieg zu verurteilen, Völkerrecht hin oder her. Putin stützt den chinesischen Staatschef dafür in seiner „Ein-China-Politik“ gegen Taiwan. Doch das Bündnis hat Risse bekommen. Putin musste beim Gipfel einräumen, dass Xi „Bedenken“ habe in Bezug auf die Ukraine. „Grenzenlose Freundschaft“ sieht anders aus.

Stärke auch. Angesichts der Sanktionen, des chaotischen Feldzugs und der hohen Verluste in der Ukraine wächst in Russland die Kritik an Putin. Xi hat mit seiner strikten Null-Covid-Strategie, den Dauer-Lockdowns und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise den Zorn der chinesischen Mittelschicht auf sich gezogen. Von „positiver Energie“ kann jedenfalls weder in China noch in Russland die Rede sein.

Doch während Putin sich durch seinen Angriffskrieg international schon zum Paria gemacht hat (weshalb er Pekings Unterstützung dringendst benötigt), beschränken sich die Probleme des chinesischen Staatschefs weitgehend auf die Heimatfront. Xi wird daher den Teufel tun und einen ähnlichen Weg einschlagen wie der russische Machthaber. Angesichts der Wirtschaftslage dürfte er scharfe Sanktionen kaum riskieren. Vereint gegen den Westen? Unter Vorbehalt.