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White Collar Boxing

Vom Büro in den Boxring

Boxen schult nicht nur den Charakter, gemeinsame Schnupperstunden sind auch als Firmen-Incentive und Teambuilding-Aktion beliebt.
Boxen schult nicht nur den Charakter, gemeinsame Schnupperstunden sind auch als Firmen-Incentive und Teambuilding-Aktion beliebt.(c) five-training.at
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Die Herausforderungen beim Boxen sind jenen, die im Führungsalltag zu bewältigen sind, durchaus ähnlich. Ebenso die Eigenschaften, die da wie dort zum Erfolg führen.

Zwei- bis dreimal pro Woche ist Viola Schritter gemeinsam mit ihrem Personal Trainer beim Training im Türkenschanzpark in Wien anzutreffen – bei jedem Wetter. Auf dem Programm der Immobilienentwicklerin steht dabei ein ganz besonderer Sport, nämlich Boxen, konkret Fitnessboxen. „Dabei wird ausschließlich gegen sogenannte Pads geschlagen, es besteht somit keine Verletzungsgefahr“, erzählt Schritter, die seit 2017 boxt. Sie ist aber nicht die einzige Managerin, die dem Boxen frönt. „Wir haben viele Führungskräfte bei uns“, erzählt Hannes Woschner, Geschäftsführer von Five Managerboxen. Seit 2008 bietet er Letzteres an, sei es in Form von meist ein- bis dreistündigen Incentives, sei es als Gruppen- oder Einzeltraining.

Managerqualitäten geschult

Auch Marcos Nader vom Boxclub Bounce zählt viele Führungskräfte zu seinen Kunden. „Der Boxsport hat viele Parallelen zum Managerleben“, ist er überzeugt. So seien bei beiden Eigenschaften wie Ehrgeiz, Kalkül, Entscheidungsfreude, Mut und (Selbst-)Disziplin wichtige Voraussetzungen für den Erfolg. Ebenso gefragt sind da wie dort die richtige Einschätzung von Situationen und die darauf basierende Entscheidung.
Das allein ist es aber nicht, warum Manager-Boxen, auch White Collar Boxing genannt, für Führungskräfte attraktiv ist. „Es gibt keine andere Sportart, bei der man so völlig im Hier und Jetzt sein muss wie beim Boxen“, ist Woschner überzeugt. Schritter kann das nur bestätigen: „Man muss absolut konzentriert sein.“ Doch die Fähigkeit, sich durch nichts und niemanden ablenken zu lassen, ist nicht das Einzige, was Führungskräfte für ihren Alltag vom Boxtraining mitnehmen können. So sei es dabei mit „Fake it till you make it“ bald vorbei. „In Extremsituationen kommt das natürliche Verhalten, also ob man zu Flucht oder Angriff tendiert, zum Vorschein. Und Boxen ist eine Extremsituation“, sagt Woschner. Führungskräfte könnten somit erkennen, zu welchem Verhalten sie neigen. „Man lernt, mit Situationen, in denen man mit dem Rücken zur Wand steht, umzugehen, das Blatt zu wenden“, ergänzt Nader.

Teamführung und Taktik

Aus der Fähigkeit, die eigenen Schwächen, aber auch Stärken zu erkennen und sich selbst zu motivieren, würden sich viele Fähigkeiten für die Teamführung ergeben, sind sich Woschner und Nader einig. Boxen schult aber auch das taktische Denken – und dass Schlachtpläne immer wieder über den Haufen geworfen werden müssen. „Es geht darum, zu lernen, den Gegner rasch zu lesen und auf eine Aktion rasch die passende Reaktion folgen zu lassen. Und das zehn bis zwölf Runden lang“, so Woschner. Zu lernen, mit den eigenen Ressourcen hauszuhalten und diese effizient einzusetzen, ist ein weiterer positiver Effekt des Boxtrainings. Regelmäßiges Boxen optimiert aber nicht nur Konzentration, Koordination, Ausdauer, Taktik, sondern auch alle Muskeln des Körpers werden trainiert. „Wir bieten beim Training das gesamte Programm: vom Schnurspringen über Partnerübungen, Training mit Sandsack, Partnern und dem Trainer bis zum Schattenboxen. Ob es dann auch ein Sparring, einen simulierten Wettkampf, gibt, das bleibt aber jedem überlassen“, sagt Woschner.

Den Stress abbauen

Darüber hinaus ist Boxen auch hervorragend geeignet, um Dampf abzulassen und Stress abzubauen. „Ich bin nach dem Training viel entspannter“, sagt Schritter. Und so profitieren Geist und Psyche von dem durchaus schweißtreibenden Training, Schätzungen zufolge liegt das Verhältnis des Mentalen zur Physis bei 70 zu 30. „Boxen ist wie jeder Kampfsport im positiven Sinn charakterbildend und lebensverändernd“, sagt Woschner. Man lerne, sich seinen Ängsten zu stellen, mit diesen umzugehen, und gewinne an Mut und Selbstvertrauen. Auch das kann Schritter nur bestätigen: „Durch das regelmäßige Training bin sowohl körperlich als auch mental stark geworden.“
Nader zufolge ist Boxen für alle Altersklassen geeignet – „sofern der Kunde gesund ist“. Apropos Gesundheit: Ernst zu nehmende Gesundheitsrisken – etwa Gehirnschäden – müssten Hobbysportler im Übrigen nicht fürchten. „Es gibt keine Schläge auf den Kopf“, sagt Nader.

Web: www.managerboxen.at,
www.bounce.at

Info

White Collar Boxing wurde Ende der 1980er-Jahre von Gleason's Gym in New York entwickelt. Da sie ihre Konflikte nicht mehr anders lösen könnten, stiegen 1989 die Geschäftsführer zweier großer Unternehmen in den Ring. „White Collar“, deutsch „weißer Kragen“, steht als Synonym für Anzugträger wie Büro- und Führungskräfte, während „Blue Collar“ – in Anlehnung an den klassischen blauen Overall – für Arbeiter steht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2022)