In Leni Lauritschs wuchtigem Langfilmdebüt beobachtet ein ungleiches Trio im Orbit den Weltuntergang – und gerät in ein moralisches Dilemma. Der „Presse“ erklärt die Kärntnerin, warum Vorbereitung bei Sci-Fi-Filmregie Trumpf ist.
Science-Fiction-Kino aus Österreich, das hatte lang den Beiklang eines widersprüchlichen Konzepts. Freilich: Es gab Unikate wie das staatstragende Neutralitätsplädoyer „1. April 2000“, worin die Weltregierung der (einstigen) Zukunft ein UFO nach Schönbrunn entsendet. Kühne Low-Budget-Würfe wie Florian Flickers „Halbe Welt“. Jüngst auch berückende Kunstfilme wie „The Trouble with Being Born“, eine Meditation über das Verhältnis von Mensch und Maschine. Aber eine richtig wuchtige Weltraumstory, der man ihre bescheidene Herkunft nicht ansieht? Die traute man der hiesigen Branche nicht zu.
Doch Zeiten ändern sich: Wo ein Sci-Fi-Wille ist, findet sich immer öfter auch ein Weg, nicht zuletzt aufgrund technischer Fortschritte der Digitalära. Von diesen zeugt aktuell eine heimische Kinoproduktion, die ihr Grenzgängertum schon im Titel trägt: „Rubikon“. Der Film handelt von einem ungleichen Trio, das auf einer ISS-Raumstation den Weltuntergang mitansieht – und in eine moralische Zwickmühle gerät. Der Ehrgeiz des Projekts ist beachtlich, doch auch die Umsetzung imponiert: Hollywood ist hier nur noch einen Katzensprung entfernt.
„Rubikon“ ist das Langfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Leni Lauritsch. Im Gespräch mit der „Presse“ erzählt die 34-jährige Kärntnerin von ihrer frühen Faszination für Visual Effects: Schon an der Filmakademie eignete sie sich eifrig Fachwissen über digitale Bildgestaltung an. Beim Dreh von „Rubikon“ war sie bestens informiert über Grenzen und Möglichkeiten der ihr verfügbaren Mittel: „Man konnte mir keinen Bullshit erzählen.“ Fundiertes Selbstbewusstsein (Lauritsch nennt es bescheiden „Idiotie“) half auch bei der Überzeugung der Förderstellen. Ungeahnte Inspiration brachte dem erklärten Science-Fiction-Nerd indessen der Besuch einer „Star Trek“-Messe: Lauritsch lernte dort eine Mitarbeiterin der Europäischen Weltraumorganisation kennen, die sie später beim Drehbuch beriet. Schon beim Schreiben bedachte die Regisseurin ihre budgetären Einschränkungen: „Mir war klar, dass es kaum Außenaufnahmen geben und ein Gefühl klaustrophobischer Beklemmung somit Teil der Atmosphäre des Films sein wird. Oft bringen einen erst Limitierungen dazu, kreativ zu werden.“