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Wie viel die Kinder in Kubricks „The Shining“ wohl von der Handlung wussten? Fixe Standards dazu gibt es auch in Österreich nicht.
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Filmdrehs mit Kindern

Kinder am Filmset: Wie dreht man, was sie nicht sehen sollen?

Die Vorwürfe gegen Ulrich Seidl rücken die Arbeit mit Kinderdarstellern ins Licht: Wie laufen Filmdrehs mit Kindern üblicherweise ab? Wie inszeniert man Gewalt? Die Eltern müssen über alles Bescheid wissen, sind sich Brancheninsider einig. In der Frage, wie viel den Kindern zumutbar ist, gibt es unterschiedliche Ansichten.

Der Regen prasselt auf die drei Schneehügel am Rand der Donau. Langsam legt er frei, was in ihnen vergraben ist: Kinderleichen. Bleiche, eingefrorene, tote Gesichter. Von einem „Kinderverzahrer“ und einer erkalteten Gesellschaft auf der Suche nach diesem erzählt David Schalkos Serie „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“. Eine kinderfreundliche Gutenachtgeschichte ist das nicht. Und doch spielen Kinder darin eine zentrale Rolle. Wie lässt man sie also in Figuren schlüpfen, die angelockt und entführt, ermordet und unter Schneebergen vergraben werden?

Gar nicht, sagt Susi Stach, die als Schauspielcoach für Kinder einige österreichische Film- und Serienproduktionen begleitet hat. Auch jene von „M“. Dass die Figuren, die sie verkörpert haben, in der Serie getötet werden, hätten die jungen Darsteller nicht einmal gewusst, erzählt sie. Bei heiklen Szenen habe man sich mit einigen Tricks beholfen, um die Kinder zu schützen. Die Leichen waren Puppen. Das Drehbuch bekamen nur die Eltern zu lesen. „Die Eltern wussten alles“, sagt Stach zur „Presse am Sonntag“.

Die Frage, wie viel Eltern von Kinderdarstellern erfahren haben, steht im Zentrum der aktuellen Vorwürfe gegen den österreichischen Filmemacher Ulrich Seidl: Dieser habe, das ergeben Recherchen von „Spiegel“ und „Falter“, bei den Dreharbeiten zu „Sparta“ in Rumänien die Eltern seiner jungen Darsteller bewusst im Unklaren gelassen, die Kinder zu unangenehmen Szenen gedrängt sowie ihre Gesundheit und Sicherheit außer Acht gelassen (siehe Artikel unten). Seidl weist die Vorwürfe zurück: Er habe über Wochen und Monate ein Vertrauensverhältnis zu den rumänischen Familien aufgebaut. „Niemals würde ich Entscheidungen treffen, die ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden in irgendeiner Art und Weise gefährden.“