Der Kreml will Generalmobilmachung weiter vermeiden: Nun sollen sogar russische Häftlinge als Wagner-Söldner im Ukraine-Krieg dienen.
Ein kahlköpfiger Mann steht in einem russischen Gefängnishof, umringt von Dutzenden schwarz gekleideten Sträflingen. „Ich nehme euch lebend mit“, ruft er in die Runde. „Nicht immer aber kehrt ihr lebendig zurück.“ Die auf Video gebannte Szene ist eine skurrile Anwerbe-Veranstaltung für den Einsatz als Kämpfer im Ukraine-Krieg. Fünf Minuten Zeit haben die Männer zum Überlegen. „Wer will, der fährt.“ Als Preis winkt die Freiheit: Der Mann verspricht den Insassen die Begnadigung nach sechsmonatigem Dienst.
Der kahlköpfige Mann ist nicht irgendwer. Es ist Jewgenij Prigoschin, der als Finanzier der privaten Söldnertruppe „Wagner“ gilt. Prigoschin ist ein St. Petersburger Unternehmer mit engen Beziehungen zur Kreml-Elite. Mit Präsident Wladimir Putin ist der Gastro-Betreiber seit vielen Jahren bekannt, was ihm den Spitznamen „Putins Koch“ eingebracht hat. Doch Prigoschin ist mehr als nur ein Edel-Caterer.