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Mein Montag

Lexikon der Politiksprache: Es bleibt mehr im Börsel

An sich sind solche Feature-Fotos nicht besonders elegant, aber für eine Kolumne über eine unselige Phrase passt es eigentlich ganz gut.
An sich sind solche Feature-Fotos nicht besonders elegant, aber für eine Kolumne über eine unselige Phrase passt es eigentlich ganz gut.imago images/Christian Ohde
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Eine Redewendung zeigt den österreichischen Hang zur Verkleinerungsform. Und zum Bargeld.

Es ist eine dieser unseligen Phrasen, wenn die Politik eine eingeführte oder geplante finanzielle Entlastung verkündet. Dass den Menschen nämlich „mehr im Börsel“ bleibt. Damit, so der weiterführende Gedanke, kann man sich dann das tägliche Schnitzerl leisten. (Schnitzel ist an sich schon ein Diminutiv, das Schnitzerl ist sogar die doppelte Verkleinerungsform.) Der Hang zur Verkleinerungsform ist eine österreichische Wesensart, die auch beim Börsel voll zuschlägt. Wobei im „Österreichischen Wörterbuch“ sogar eine noch kleinere Form angeführt wird, nämlich das Börsl, das mit Geldtäschchen (noch ein Diminutiv) erklärt wird. Dieser Austriazismus mag auch mit ein Grund sein, warum man in Österreich so am Bargeld hängt. Würde die Politik etwa sagen, dass dank einer Maßnahme mehr Geld am Konto bleibt oder man mehr Netto vom Brutto bekommt, wäre da vielleicht nicht dieser Gedanke an ein paar Münzen mehr, die in der Ledertasche klimpern.

Apropos, das Wort Börse kommt tatsächlich vom Leder bzw. vom Fell. Das griechische byrsa (Fell) wurde über das lateinische bursa zu einem aus Fell gearbeiteten Behältnis oder Ledersack. Und landete so auch im Deutschen, wo es zur Börse wurde. Zusätzlich wurde es auch mit der Bedeutung „gängige Währung“ und „Geldwechsel“ aufgeladen. Und vermutlich aus dem Niederländischen kommt die Bezeichnung Börse im Sinne eines Gebäudes, das als Handelsplatz dient. Zurückgeführt wird der Name auf das Brügger Kaufleutegeschlecht Van de Burse, das im Wappen drei Geldbeutel geführt haben soll. Die Börse in dieser Bedeutung kennt man auch außerhalb Österreichs, während die Geldbörse im Duden als österreichisch bzw. „gehoben veraltet“ läuft. Apropos, haben Sie eigentlich schon den Klimabonus aufs Konto überwiesen bekommen? Oder bekommt man den hierzulande ins Börsel gesteckt?

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com